OpenAI-CEO Sam Altman beschreibt die aktuelle KI-Entwicklung im Gespräch mit Ti Morse mit einer auffälligen Formulierung: Man befinde sich „sozusagen in der Singularität“, dies sei der Moment, über den man vor zehn Jahren am Mittagstisch noch wenig ernsthaft gesprochen habe. Das englische Original lautet: „we are now like in the singularity, like this is the moment“. Die Abschwächung „like“ ist wichtig; Altman erklärt damit seine persönliche Wahrnehmung und stellt keinen wissenschaftlich bestimmten Zeitpunkt fest.

Vom fernen Traum zur persönlichen Motivation

Altman sagt im Interview, ihn treibe an, an der aus seiner Sicht interessantesten und wichtigsten Aufgabe zu arbeiten. Vor zehn Jahren sei eine solche Entwicklung bestenfalls ein ferner, sehr unwahrscheinlicher Traum gewesen. Nun erlebe er den Moment, auf den er nach eigener Darstellung lange gewartet habe, und er erwarte davon große positive Wirkungen.

Warum heutige Start-ups anders aussehen könnten

An anderer Stelle kritisiert Altman ein aus seiner Sicht zu niedriges Maß an Ambition und skaliertem Denken. Menschen würden häufig durch Eltern, Lehrer oder Vorgesetzte an vorgegebene Bahnen gewöhnt und für zu große Ideen eher gebremst. Das ist Altmans Wertung über Unternehmertum, keine empirisch belegte Aussage über „die meisten Menschen“.

Für Start-ups zieht er eine konkretere Schlussfolgerung: Ein heutiges Unternehmen sehe oft noch ähnlich aus wie vor zehn Jahren, weil überlieferte Regeln vorgäben, wie man es aufbauen solle. Weniger Beschäftigte einzustellen und mehr Geld für KI-Token auszugeben, sei nur eine oberflächliche Veränderung. Nach seiner Einschätzung müssten neue Unternehmen grundsätzlicher anders organisiert sein.

Hype oder dauerhafte Nachfrage

Im Gespräch wird außerdem zwischen kurzfristigem Hype und einem anhaltenden Trend unterschieden. Als Beispiel für einen schwachen Trend nennt Altman ein Produkt, das nach viel Aufmerksamkeit gekauft, dann aber kaum genutzt werde. Entscheidend sei dagegen, ob eine echte, tiefe und dauerhafte Nachfrage bestehe und Menschen ihre Abläufe um das Produkt herum veränderten.

Die Bezeichnung „Singularität“ bleibt damit eine zugespitzte persönliche Einordnung. Das Interview liefert keine belastbare Grundlage für weitergehende Behauptungen, wonach ausschließlich Strom und Halbleiter den Fortschritt begrenzten oder konkrete politische Folgen bereits feststünden.

🎯 Was die Singularitäts-Debatte für die Praxis bedeutet

1. Zitat und Diagnose trennen: Altmans Formulierung beschreibt sein Erleben des Moments. Unternehmen sollten daraus keine sichere technologische Prognose ableiten.

2. Neue Organisation statt nur neue Werkzeuge prüfen: Seine nachvollziehbarste These lautet, dass weniger Personal und mehr KI-Token allein noch kein neues Geschäftsmodell ergeben.

3. Nachfrage beobachten: Ein belastbarer Trend zeigt sich nicht an Aufmerksamkeit, sondern daran, ob Nutzer dauerhaft wiederkommen und ihre Arbeit tatsächlich verändern.

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📰 Quellen
Relentless Podcast ↗
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