Common Sense
Common Sense — Gesunder Menschenverstand — ist das Weltwissen, das Menschen intuitiv besitzen und routinemäßig anwenden, das für KI-Systeme aber eine der hartnäckigsten Herausforderungen darstellt.
Jeder Mensch weiß, dass Wasser abwärts fließt, dass man nicht durch eine geschlossene Tür gehen kann, dass ein Glas zerbricht, wenn es auf den Boden fällt, und dass man bei einer Beerdigung nicht lacht. Dieses Wissen ist so selbstverständlich, dass es selten explizit aufgeschrieben wird — weder in Büchern noch im Internet. Sprachmodelle, die auf geschriebenen Texten trainiert werden, müssen dieses Wissen indirekt aus dem Kontext erschließen.
Das Cyc-Projekt (Doug Lenat, 1984-2024) versuchte, Common Sense explizit zu kodieren: über 25 Millionen Regeln, die alltägliches Wissen formalisieren. Der Versuch gilt als gescheitert — menschliches Weltwissen ist zu umfangreich und kontextabhängig, um regelbasiert erfasst zu werden.
Aktuelle LLMs beherrschen viele Common-Sense-Aufgaben besser als erwartet. Auf Benchmarks wie HellaSwag, PIQA und CommonsenseQA erreichen GPT-4 und Claude menschennahe Ergebnisse. Aber regelmäßig scheitern sie an Aufgaben, die jedes Kind löst: „Wenn ich eine Tasse Kaffee umdrehe, was passiert?" oder räumliches Reasoning.
Yann LeCun argumentiert, dass Common Sense ein Weltmodell erfordert — ein internes Modell der physischen Realität, das heutige LLMs nicht haben, weil sie nur Text sehen, nie die Welt erfahren.