Deep Blue
Deep Blue ist der IBM-Schachcomputer, der am 11. Mai 1997 den amtierenden Schachweltmeister Garry Kasparov in einem offiziellen Sechs-Partien-Match 3,5:2,5 besiegte — der erste dokumentierte Sieg einer Maschine über einen Weltmeister unter Turnierbedingungen.
Der Kampf fand enorme Medienaufmerksamkeit. Kasparov, einer der größten Schachspieler aller Zeiten, hatte ein Vorgängermodell (Deep Thought) 1989 leicht geschlagen. Deep Blue Mark II wurde daraufhin massiv aufgerüstet: 30 IBM RS/6000 SP-Prozessoren plus 480 spezialisierte Schach-Chips, fähig, 200 Millionen Stellungen pro Sekunde zu bewerten.
Deep Blue nutzte keine neuronalen Netze und kein Machine Learning im heutigen Sinne. Der Ansatz war klassische Informatik: Brute-Force-Suche über den Spielbaum, kombiniert mit handgecodierten Evaluierungsfunktionen, die Schachgroßmeister in das System programmiert hatten. Tiefe Exhaustive Suche + domänenspezifisches Expertenwissen.
Die Kontroverse: Kasparov beschuldigte IBM des Betrugs, nachdem er eine Partie verlor, in der Deep Blue einen „strategisch brillanten" Zug spielte, der nicht zum Maschinenspiel passte. IBM verweigerte die Herausgabe der Logs und lehnte ein Rückmatch ab. Die Maschine wurde danach zerlegt.
Historisch markiert Deep Blue den Übergang vom menschlichen zum maschinellen Schach. Heute sind selbst Smartphone-Schach-Apps stärker als Kasparov je war. Die Ironie: Erst AlphaZero (2017), das Schach durch reines Self-Play ohne menschliches Wissen lernte, zeigte, dass KI auch im Schach fundamental Neues entdecken kann.