Der CEO eines KI-Unternehmens, das selbst auf KI-Agenten setzt, warnt vor den Folgen: Bill McDermott, Chef des Enterprise-Software-Riesen ServiceNow, prognostiziert 30 Prozent Arbeitslosigkeit für die Generation Z — also für alle, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden.

Die Prognose

McDermotts Argumentation ist ebenso simpel wie beunruhigend: KI-Agenten übernehmen genau die Einstiegsjobs, über die sich junge Berufstätige bisher hochgearbeitet haben. Datenerfassung, Analyse, Kundenservice, einfache Programmieraufgaben — alles Tätigkeiten, die autonome Agenten heute bereits schneller und billiger erledigen. Ohne diese Einstiegsjobs fehlt einer ganzen Generation der Fuß in der Tür.

Der Widerspruch

Der offensichtliche Elefant im Raum: ServiceNow ist selbst einer der aggressivsten Treiber der KI-Automatisierung. Das Unternehmen mit über 11 Milliarden Dollar Umsatz baut seine gesamte Produktpalette auf KI-Agenten um, die genau die Arbeitsplätze automatisieren sollen, deren Verlust McDermott beklagt. Es ist der gleiche Widerspruch, den wir bei Anthropic (→ KI Woche Analyse) und OpenAI beobachten: Die Warnung kommt von denen, die am meisten profitieren.

Amodei geht noch weiter

Anthropic-CEO Dario Amodei verschärft die Prognose zusätzlich: Er prognostiziert, dass KI innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre praktisch alle menschlichen Tätigkeiten automatisieren könnte. Nicht nur Einstiegsjobs, sondern auch hochqualifizierte Wissensarbeit — Programmierung, Analyse, Strategie. Die Ironie: Amodei baut mit Anthropic genau die Modelle, die diese Automatisierung vorantreiben, und warnt gleichzeitig vor den Folgen. McDermotts 30-Prozent-Prognose wirkt vor diesem Hintergrund fast noch konservativ.

Die politische Reaktion

In den USA reagiert die Politik zunehmend: Senatoren fordern strengere Regulierung, Gewerkschaften mobilisieren. Der Vergleich mit der Industriellen Revolution wird häufig bemüht — doch der entscheidende Unterschied ist das Tempo. Was damals Jahrzehnte brauchte, passiert jetzt in Monaten (→ Ökonom Korinek warnt).

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Berufseinstieg wird schwieriger: Wer gerade studiert oder eine Ausbildung macht, sollte sich fragen: Wird dieser Einstiegsjob in drei Jahren noch existieren?

2. KI-Kompetenz als Überlebensstrategie: Die PwC-Studie zeigt: KI-Skills bringen 56% Gehaltsaufschlag (→ KI Woche Analyse). Wer KI nutzen kann, wird gebraucht. Wer nur tut, was KI auch kann, wird ersetzt.

3. Unternehmer aufgepasst: Die Generation Z wird kreativer reagieren müssen — mit eigenen KI-gestützten Mikro-Unternehmen statt mit klassischen Karrierepfaden.

📰 Quellen
Futurism ↗ Investinq auf X ↗
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