Mit fast 100 Millionen Nutzern ist Gamma längst kein Geheimtipp mehr — die KI-Präsentationsplattform hat sich vom „PowerPoint-Killer" zum ernsthaften Konkurrenten für Canva und Adobe entwickelt. Jetzt legt das Unternehmen nach: Wie TechCrunch berichtet, startet Gamma mit Gamma Imagine ein eigenständiges KI-Bildgenerierungstool, das Marketing-Teams per Textprompt markenspezifische Grafiken erstellen lässt — Poster, Logos, Infografiken, Social-Media-Assets.

Was Gamma Imagine konkret kann

Das Besondere an Gamma Imagine ist nicht die Bildgenerierung an sich — das können mittlerweile viele. Es ist die automatische Marken-Anpassung. Das Tool soll wie ein menschlicher Grafikdesigner agieren: Es kennt die Farben, Schriften und Gestaltungsregeln einer Marke und wendet sie selbstständig auf jede generierte Grafik an. Dazu kommen über 100 KI-native Templates, interaktive Datenvisualisierungen (Smart Charts) und KI-generierte Infografiken.

Besonders interessant für Unternehmen: Gamma integriert sich ab sofort mit ChatGPT, Claude, Zapier, Atlassian, Make, n8n und Superhuman Go. Damit können Teams ihre bestehenden Arbeitsabläufe direkt mit der Grafikerstellung verknüpfen — etwa automatisierte Reports, die sich selbst als Präsentation formatieren und passende Diagramme generieren.

Die Lücke zwischen Figma und PowerPoint

CEO und Mitgründer Grant Lee beschreibt die Positionierung gegenüber TechCrunch so: Gamma sitze zwischen Profi-Tools wie Adobe oder Figma und Legacy-Software wie Microsoft PowerPoint. Die Zielgruppe seien die Millionen Wissensarbeiter, die in ihrem Job visuell kommunizieren müssen, aber weder die Werkzeuge noch einen eigenen Designer haben. Lee nennt das die „Design Tax" — den versteckten Produktivitätsverlust, der entsteht, wenn jede Folie, jede Grafik, jedes Social-Media-Bild manuell erstellt oder extern beauftragt werden muss.

Die Zahlen sprechen für den Ansatz: Im November 2025 sammelte Gamma in einer von a16z geführten Series B 68 Millionen Dollar ein — bei einer Bewertung von 2,1 Milliarden Dollar. Damals lag der wiederkehrende Umsatz (ARR) bei 100 Millionen Dollar, die Nutzerbasis bei 70 Millionen. Seitdem ist sie auf fast 100 Millionen gewachsen.

Kreativberufe unter Dauerbeschuss

In der Community löst das Update gemischte Reaktionen aus. X-Nutzer Ejaaz kommentiert trocken: Für Designer sehe es mal wieder düster aus. Seine Beobachtung trifft einen Nerv: Was früher ein ganzes Agenturprojekt war — Markenidentität auf Dutzende Assets anwenden —, erledigt ein einzelnes Feature-Update. Die Disruption kommt nicht als Revolution, sondern als stille Automatisierung, Feature für Feature.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Design-Kosten hinterfragen: Wer heute externe Grafiker für Standardaufgaben wie Social-Media-Posts oder Präsentationsfolien beauftragt, sollte Gamma Imagine als Alternative prüfen. Die automatische Markenanpassung spart den typischen Korrektur-Pingpong.

2. Workflow-Integration nutzen: Die Anbindung an ChatGPT, Claude und Zapier macht Gamma zum Baustein in automatisierten Pipelines. Denkbar wären etwa wöchentliche Reports, die sich automatisch als gebrandete Präsentation formatieren.

3. Kreativteams neu aufstellen: Wenn KI-Tools Standarddesign übernehmen, verlagert sich der Wert menschlicher Designer auf Strategie, Markenentwicklung und konzeptionelle Arbeit. Teams sollten diesen Übergang aktiv gestalten, statt ihn abzuwarten.

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📰 Quellen
TechCrunch ↗ @thisisgrantlee auf X ↗ @cryptopunk7213 auf X ↗ Gamma YouTube ↗ Yahoo Finance ↗
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