Anthropic öffnet seine internen Rechtsabteilungs-Tools für die Öffentlichkeit. Unter dem Namen Claude for Legal veröffentlicht das Unternehmen eine umfassende Open-Source-Suite auf GitHub - mit Plugins, Agenten und Konnektoren für praktisch jeden juristischen Arbeitsbereich.
Das Repository deckt zehn Rechtsgebiete ab: Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Datenschutz, Produktrecht, Regulatorik, KI-Governance, geistiges Eigentum, Prozessführung und eine eigene Abteilung für Jurastudierende und Rechtsberatungsstellen.
Agenten mit konkreten Jobtiteln
Statt generischer KI-Assistenten liefert Anthropic benannte Agenten mit klar definierten Aufgaben: Ein "Vendor Agreement Reviewer" prüft Lieferantenverträge, ein "DSAR Responder" bearbeitet Datenschutzauskunftsanfragen, ein "Termination Reviewer" analysiert Kündigungsfälle, ein "Claim Chart Builder" erstellt Patentanspruchstabellen. Jeder Agent wird über einen einzigen Befehl gestartet.
Dazu kommen fünf Managed-Agent Cookbooks für laufende Überwachungsaufgaben: ein Vertragsverlängerungs-Watcher, ein Prozesskalender-Monitor, ein Regulierungs-Feed, ein Due-Diligence-Raster und ein Launch-Radar für Produktfreigaben.
Zwei Wege, ein System
Das gesamte System lässt sich auf zwei Arten nutzen: Als Plugin in Claude Cowork oder Claude Code - oder über die Claude Managed Agents API hinter der eigenen Workflow-Engine. Gleicher System-Prompt, gleiche Skills, der Nutzer entscheidet, wo es läuft. Für die Anbindung an bestehende Systeme liefert Anthropic MCP-Konnektoren für Slack, Google Drive, Box, Ironclad, DocuSign, iManage, Everlaw und CourtListener.
Besonders durchdacht: Beim ersten Start durchläuft jedes Plugin ein Cold-Start-Interview, das die interne Arbeitsweise der Kanzlei oder Rechtsabteilung abfragt und in einem CLAUDE.md-Praxisprofil speichert. Alle Skills lesen dieses Profil mit - der Agent arbeitet also nicht generisch, sondern nach den eigenen Spielregeln.
Klare Grenzen
Anthropic betont unmissverständlich: Jede Ausgabe der Plugins ist ein Entwurf zur anwaltlichen Prüfung - keine Rechtsberatung, kein Rechtsurteil, kein Ersatz für einen Anwalt. Die Plugins enthalten Quellenangaben bei jeder Zitierung, konservative Voreinstellungen bei Privilegienfragen und Jurisdiktions-Hinweise. Nichts wird eingereicht, verschickt oder als Grundlage genommen, bevor ein Anwalt es geprüft hat. Unter Apache-2.0-Lizenz steht das gesamte Repository mit aktuell 2.500 Stars bereits der Community offen.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Rechtsabteilungen testen: Die Plugins lassen sich direkt über Claude Cowork installieren. Besonders die Vertragsprüfung und der DSAR-Responder adressieren Aufgaben mit hohem Zeitaufwand und klaren Strukturen.
2. Cold-Start nicht überspringen: Das initiale Interview bestimmt, wie nützlich die Agenten arbeiten. Wer sich die Zeit nimmt, die eigenen Playbooks und Standardklauseln einzupflegen, bekommt deutlich bessere Ergebnisse.
3. Open Source als Vertrauensbasis: Der komplette Code ist einsehbar. Für Kanzleien, die Bedenken gegenüber Black-Box-KI haben, senkt das die Einstiegshürde erheblich.