Fünf Dollar für deinen Job. DoorDash hat eine neue App namens "Tasks" gestartet, mit der Lieferkuriere Geld verdienen können, indem sie alltägliche Aktivitäten filmen — Geschirr spülen, kochen, in Fremdsprachen sprechen. Die Daten trainieren KI-Modelle und Roboter, die genau diese Arbeit eines Tages übernehmen sollen.
Die physische Welt digitalisieren — mit den eigenen Arbeitern
Mehr als 8 Millionen Dasher könnten fast überall in den USA Aufgaben übernehmen, erklärte Ethan Beatty, General Manager von DoorDash Tasks. Das sei eine enorme Fähigkeit, die physische Welt zu digitalisieren. Die Bezahlung wird vorab angezeigt und richtet sich nach Aufwand und Komplexität der Aufgabe.
Ein konkretes Beispiel laut Bloomberg: Ein Kurier soll sich eine Body-Cam anschnallen und mindestens fünf Teller abwaschen — jeden sauberen Teller einzeln in die Kamera halten, bevor er zum nächsten greift. Die Videos und Audioaufnahmen fließen laut Bericht sowohl in DoorDashs eigene KI-Modelle als auch in die von Partnern aus den Bereichen Retail, Versicherung, Gastronomie und Technologie.
Ein Muster wird sichtbar
DoorDash ist nicht allein. Uber hatte bereits Ende 2025 ein ähnliches Programm gestartet, bei dem Fahrer für das Hochladen von Fotos zur KI-Trainierung bezahlt werden. Und: Niantic, der Hersteller von Pokémon GO, hat 30 Milliarden Fotos von über 500 Millionen Spielern genutzt, um KI-Lieferroboter zu trainieren — ohne dass die meisten Spieler es wussten.
Die TechBuzz-Analyse bringt das Dilemma auf den Punkt: Die Arbeiter trainierten die Systeme, die ihre Jobs eines Tages umgestalten oder ersetzen werden — eine Feedbackschleife, die zugleich pragmatisch und beunruhigend sei. Die eigenständige Tasks-App ist aktuell in ausgewählten US-Städten verfügbar, ausgenommen Kalifornien, New York City, Seattle und Colorado — vermutlich wegen der dort strengeren Gig-Worker-Gesetze.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Die Gig Economy wird zur Datenfabrik: DoorDash konkurriert mit Tasks direkt mit spezialisierten Plattformen wie Scale AI und Appen. Der Vorteil: 8 Millionen bereits registrierte Arbeiter mit Smartphones, die sich über Städte und Demografien verteilen.
2. Trainiere deinen Nachfolger: Das Geschäftsmodell ist bestechend zynisch — und historisch nicht neu. Wie bei der Industrialisierung werden die heutigen Arbeiter bezahlt, um die Maschinen zu perfektionieren, die sie morgen ersetzen.
3. Datenschutzfragen werden eskalieren: Kuriere filmen in ihren Wohnungen, Küchen, Nachbarschaften. Wer besitzt die Rechte an diesem Material? Was passiert, wenn das Supermarkt-Video von heute morgen ein Automatisierungssystem trainiert, das übermorgen Regalauffüller-Jobs eliminiert?