Andrew Yang, Ex-Präsidentschaftskandidat und Gründer der Forward Party, hat einen schonungslosen Newsletter veröffentlicht — und Peter Diamandis, Gründer der XPRIZE Foundation, teilt das dazugehörige Video mit seinen Millionen Followern. Yangs These: Die KI-bedingte Entlassungswelle bei Büroarbeitern ist keine Zukunftsvision mehr, sondern hat bereits begonnen.

Yang nennt das, was kommt, „The Fuckening" — bewusst provokant, weil die übliche Managementsprache den Ernst der Lage verschleiere. In den USA arbeiten rund 70 Millionen Menschen in Bürojobs. Yang prognostiziert, dass 20 bis 50 Prozent davon in den kommenden Jahren wegfallen. Das wären im schlimmsten Fall 35 Millionen Stellen.

„Wir feuern gerade 15 Prozent"

Yang beschreibt ein Gespräch mit dem CEO eines börsennotierten Technologieunternehmens. Dieser soll erklärt haben, sein Unternehmen entlasse gerade 15 Prozent der Belegschaft, werde in zwei Jahren vermutlich weitere 20 Prozent abbauen und danach nochmal 20 Prozent. Die Aktienmärkte belohnen Unternehmen, die ihre Personalkosten senken, und bestrafen jene, die es nicht tun. Ein Investor soll es laut Yang so auf den Punkt gebracht haben: Alles verkaufen, was aus Menschen besteht, die an einem Schreibtisch sitzen und auf einen Bildschirm schauen.

Das Muster deckt sich mit dem, was die KI Woche seit Wochen dokumentiert: Im ersten Quartal 2026 sind bereits über 45.000 Tech-Stellen weggefallen (→ KI Woche Analyse). Meta, Atlassian, Block, WiseTech — überall das gleiche Bild: Rekordumsätze und Massenentlassungen gleichzeitig.

Fünf Schockwellen

Yang skizziert fünf unmittelbare Folgen der Automatisierungswelle:

  • Massenentlassungen in der Mittelschicht: Nicht nur Manager, auch Call-Center-Mitarbeiter, Programmierer, Marketing-Teams und Finanzanalysten werden betroffen. Geschäftsfunktionen, die bisher Dutzende Menschen erforderten, schrumpfen auf eine Handvoll Schlüsselpersonen plus KI.
  • Privatinsolvenzen steigen: Hypothekenausfälle nehmen laut Yang bereits zu. Auch Branchen abseits des Büros — Wäschereien, Friseure, Hundesitter — verlieren Kunden, wenn deren Auftraggeber keine Jobs mehr haben.
  • Absolventen finden keine Stellen: Bereits jetzt finden laut Yang nur 30 Prozent der US-Hochschulabsolventen einen Job in ihrem Fachgebiet. Die Unterbeschäftigungsquote liege bei 52 Prozent. Dutzende kleinere Hochschulen könnten in den kommenden Jahren schließen.
  • Innenstädte veröden: Die Büroimmobilienkrise, die mit der Pandemie begann, werde sich verschärfen. Gewerbeflächen lassen sich wegen Grundrissen und Infrastruktur kaum in Wohnraum umbauen. Kommunen verlieren Steuereinnahmen, Dienstleistungen werden gekürzt.
  • Wut und Pessimismus wachsen: Das Aufstiegsversprechen — studiere, arbeite hart, lebe gut — zerbrösele, so Yang. Er plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort.

Job Angst trifft Mainstream

Yangs Warnung ist keine Einzelmeinung. Sie reiht sich ein in eine Welle von Stimmen, die das Thema endlich ernst nehmen: Ökonom Anton Korinek warnt, dass das 250 Jahre alte Versprechen „Automatisierung schafft bessere Jobs" diesmal brechen könnte. Eine Cognizant-Studie zeigt, dass 93 Prozent aller US-Jobs teilweise automatisierbar sind. Und Anthropics eigene Umfrage unter 81.000 Nutzern belegt: Jobverlust ist die zweitgrößte KI-Sorge.

Was Yang von vielen Beobachtern unterscheidet: Er benennt die psychologische Dimension. Gebildete Menschen, die glauben, Besseres verdient zu haben, seien für Aufstände prädestiniert. Die gesellschaftliche Sprengkraft sei enorm — und bisher völlig unzureichend adressiert.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Puffer aufbauen: Yang rät zu radikaler Ausgabenreduktion. Wer in einem Bürojob arbeitet, sollte sich finanziell auf Monate ohne Einkommen vorbereiten.

2. Immobilienmärkte beobachten: Regionen mit hoher Büroarbeiterkonzentration wie das Silicon Valley oder teure Vorstandsetagen-Viertel könnten unter Druck geraten. Wer dort eine Immobilie besitzt, sollte den Markt genau verfolgen.

3. Bildungsinvestitionen hinterfragen: Teure Studiengänge, die in verschwindende Berufsfelder führen, sind ein wachsendes Risiko. Praxisnahe, kostengünstige oder technische Ausbildungen gewinnen an Wert.

4. Interne Positionierung stärken: Wer KI-Kompetenz aufbaut und zur Schlüsselperson im Team wird, senkt die eigene Ersetzbarkeit. Der Unterschied zwischen „I use AI" und „AI replaced me" ist oft nur ein Quartal.

Dieser Artikel enthält eingebettete Inhalte Dritter (z. B. Videos, Social-Media-Beiträge). kiwoche.com berichtet über diese Inhalte, macht sie sich jedoch nicht zu eigen. Die Rechte und die Verantwortung liegen beim jeweiligen Urheber bzw. Plattformbetreiber.

📰 Quellen
Andrew Yang Newsletter ↗ @PeterDiamandis auf X ↗
Teilen: