Anthropic dreht weiter auf: Ab sofort kann Claude den Computer des Nutzers direkt bedienen — Browser öffnen, durch Webseiten navigieren, Formulare ausfüllen, Tabellenkalkulationen befüllen. Was bisher nur über externe Agenten-Frameworks wie OpenClaw möglich war, liefert Anthropic jetzt nativ als Research Preview in Claude Cowork und Claude Code.

Die neue Funktion heißt schlicht Computer Use und funktioniert nach einem klaren Prinzip: Claude greift zunächst auf vorhandene Connectors zurück — etwa Slack, Google Calendar oder andere Integrationen. Erst wenn kein passender Connector existiert, übernimmt Claude die direkte Steuerung von Maus, Tastatur und Bildschirm. Bevor eine neue App geöffnet wird, fragt Claude ausdrücklich um Erlaubnis.

Dispatch: Aufgaben vom Handy delegieren

Besonders spannend wird Computer Use in Kombination mit Dispatch, das Anthropic vergangene Woche vorgestellt hat. Dispatch ermöglicht ein durchgehendes Gespräch zwischen Smartphone und Desktop: Nutzer vergeben eine Aufgabe per Handy, Claude arbeitet sie auf dem Desktop-Rechner ab, und das Ergebnis liegt bereit, wenn man zurückkommt.

Laut Anthropic lassen sich damit wiederkehrende Routinen automatisieren — etwa das morgendliche Durchforsten der E-Mails oder wöchentliche Reports. In Verbindung mit Computer Use geht das weiter: Claude kann während der Abwesenheit eigenständig IDE-Änderungen vornehmen, Tests ausführen und Pull Requests erstellen.

Warum OpenClaw-Nutzer aufhorchen sollten

Mit Computer Use liefert Anthropic eine Kernfunktion, für die viele Entwickler bisher auf OpenClaw oder vergleichbare Agenten-Frameworks angewiesen waren (→ KI Woche Analyse). Der entscheidende Unterschied: Computer Use ist direkt in die Claude-Desktop-App integriert — keine separate Installation, kein Framework-Setup, keine Terminal-Befehle. Für technisch weniger versierte Nutzer senkt das die Einstiegshürde erheblich.

Anthropic selbst positioniert Computer Use als Ergänzung zu den bestehenden Plugins — Skills (eingebettetes Fachwissen), Connectors (Anbindung an bestehende Tools) und Sub-Agents (spezialisierte Agenten für Teilaufgaben). Zusammen ergibt das ein zunehmend geschlossenes Ökosystem, das externe Agenten-Lösungen unter Druck setzt.

Noch Research Preview — aber mit Tempo

Anthropic betont, dass Computer Use noch in einer frühen Phase sei. Komplexe Aufgaben bräuchten manchmal einen zweiten Anlauf, und die Steuerung über den Bildschirm sei langsamer als direkte API-Integrationen. Safeguards gegen Prompt Injection — automatische Scans der Modellaktivierungen — sind eingebaut. Manche Apps sind standardmäßig gesperrt, sensible Daten sollen vorerst nicht verarbeitet werden.

Verfügbar ist die Funktion für Claude Pro und Claude Max auf macOS. Die Desktop-App muss dafür aktiv laufen. Cowork-Gesprächsverläufe werden laut Anthropic lokal gespeichert, nicht auf Anthropic-Servern.

Die Community reagiert mit einer Mischung aus Begeisterung und Erschöpfung: Die Ankündigung sammelte innerhalb weniger Stunden über 1,1 Millionen Views. Auf X kursieren bereits Memes über die Schlagzahl der Claude-Updates — wie shikhr_ es formuliert: „Every frikin day is a feature day for Claude."

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. OpenClaw-Alternative für Nicht-Entwickler: Wer bisher vor dem Terminal-Setup zurückschreckte, bekommt mit Computer Use eine bedienbare Alternative direkt in der Claude-App.

2. Dispatch + Computer Use als Workflow-Automatisierung: Wiederkehrende Desktop-Aufgaben lassen sich jetzt per Handy anstoßen und autonom abarbeiten — vom morgendlichen Briefing bis zum Pull Request.

3. macOS-only beachten: Windows- und Linux-Nutzer müssen vorerst warten. Wer bereits mit OpenClaw arbeitet, hat dort keine Plattformbeschränkung.

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📰 Quellen
Claude AI auf X ↗ Anthropic Blog ↗ Claude Cowork ↗
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