Google Quantum AI erweitert sein Quantencomputing-Programm um eine zweite Technologie: Neben supraleitenden Qubits setzt Google künftig auch auf neutrale Atome als Quantenbits. Ein Schritt, der die Stärken beider Ansätze kombinieren soll — und laut Google die Zeitachse bis zu kommerziell relevanten Quantencomputern beschleunigt.

Zwei Ansätze, eine Mission

Supraleitende Qubits — Googles bisherige Stärke — zeichnen sich durch extrem schnelle Taktzyklen (Mikrosekunden) und die Fähigkeit aus, tiefe Schaltkreise mit Millionen von Gate-Operationen zu betreiben. Neutrale Atome dagegen skalieren besser in der Anzahl der Qubits: bis zu 10.000 in einem Array, mit flexibler Konnektivität zwischen beliebigen Qubit-Paaren.

In der Fachsprache: Supraleitende Prozessoren skalieren leichter in der Zeitdimension (Schaltkreistiefe), neutrale Atome in der Raumdimension (Qubit-Anzahl). Google investiert in beide Ansätze, um die verbleibenden Herausforderungen schneller zu lösen und Ergebnisse gegenseitig zu übertragen.

Neues Labor in Boulder

Für die experimentelle Arbeit holt sich Google Dr. Adam Kaufman, JILA Fellow und CU-Boulder-Professor, der das Hardware-Team für neutrale Atome in Boulder, Colorado aufbauen wird. Boulder gilt als globales Zentrum für atomare, molekulare und optische Physik. Kaufman behält seine akademische Anbindung an JILA und CU Boulder.

Google investiert außerdem weiter in sein Portfolio-Unternehmen QuEra, das Pionierarbeit bei neutralen Atomen geleistet hat. Googles Überzeugung: Kommerziell relevante Quantencomputer auf Basis supraleitender Technologie werden bis Ende dieses Jahrzehnts verfügbar sein.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Dual-Track-Strategie als Signal: Dass Google in zwei parallele Qubit-Technologien investiert, zeigt, dass die Branche das Rennen noch nicht entschieden sieht — wer auf Quantencomputing setzt, sollte beide Ansätze verfolgen.

2. Boulder als Quantum-Cluster: Das Ökosystem aus CU Boulder, JILA, NIST und Elevate Quantum wird zu einem globalen Knotenpunkt — relevant für Forscher und Unternehmen, die in diesem Bereich rekrutieren.

3. Zeitachse „Ende des Jahrzehnts": Googles Prognose für kommerzielle Quantencomputer bleibt beim Zeithorizont 2030 — Unternehmen haben noch einige Jahre, um sich auf Post-Quanten-Kryptografie vorzubereiten.

📰 Quellen
Google Blog ↗
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