Erst Jack Dorsey bei Block, dann Amazon-CEO Andy Jassy, dann WiseTech mit 2.000 Entwicklerstellen — und jetzt der bisher größte Name: Einem Exklusivbericht von Reuters zufolge bereite Meta Massenentlassungen vor, die bis zu 20 Prozent der Belegschaft betreffen könnten. Bei aktuell rund 79.000 Mitarbeitern wären das über 15.000 Menschen. Die Meldung ist bislang nicht offiziell bestätigt — Meta-Sprecher Andy Stone bezeichnete die Berichterstattung gegenüber Reuters als „spekulative Berichterstattung über theoretische Ansätze".
Das Muster ist mittlerweile unmissverständlich: Tech-Konzerne streichen nicht trotz Rekordumsätzen Stellen — sondern genau wegen ihrer KI-Strategie. Zuckerberg soll laut den Reuters-Quellen die Marschrichtung an seine Führungskräfte durchgegeben haben: Teams und Projekte identifizieren, die gestrichen werden könnten. Ziel sei es, den Konzern komplett um „KI-gestützte Workflows" herum neu aufzubauen.
Reuters: 600 Milliarden Dollar für Datenzentren — und dafür muss etwas weichen
Die Dimension der Investitionen ist atemberaubend: Meta plane dem Bericht zufolge, bis 2028 insgesamt 600 Milliarden Dollar in Datenzentren zu investieren. Dazu kommen jüngste Akquisitionen wie Manus, ein chinesisches KI-Startup, für rund 2 Milliarden Dollar. Allein die geschätzten KI-Infrastrukturkosten für 2026 sollen bei 135 Milliarden Dollar liegen.
Das Geld muss irgendwo herkommen. Und die Antwort ist brutal eindeutig: Es kommt von den Gehaltsbudgets der Mitarbeiter, die durch KI-Systeme ersetzt werden. Zuckerberg soll es im Januar so formuliert haben: „Projekte, die früher große Teams brauchten, können jetzt von einer einzigen, sehr talentierten Person erledigt werden."
Reuters: Metas KI-Modelle kämpfen — trotz Milliarden-Investitionen
Pikant: Während Meta Milliarden in Infrastruktur pumpt, sollen die eigenen KI-Modelle hinter den Erwartungen zurückbleiben. Laut dem Reuters-Bericht habe Meta „Behemoth" aufgegeben, die ambitionierteste Version seines Llama 4-Modells. Der Nachfolger trage den Codenamen „Avocado" — doch auch dieses Modell soll laut mehreren Quellen nicht an Konkurrenten wie Google Gemini, OpenAI oder Anthropic Claude heranreichen.
Bereits im Oktober 2025 hatte Meta 600 Stellen in seiner KI-Forschungseinheit FAIR (Fundamental AI Research) gestrichen und stattdessen sein neues Superintelligenz-Team TBD Lab aufgestockt. FAIR-Leiterin Joelle Pineau verließ das Unternehmen, und KI-Chef Alexandr Wang schrieb in einem internen Memo: „Weniger Leute, weniger Abstimmungsrunden, mehr Eigenverantwortung und Wirkung."
Oracle: Dieselbe Logik, derselbe Kahlschlag
Meta ist kein Einzelfall — und nicht einmal der jüngste. Bereits Anfang März wurde bekannt, dass auch Oracle Tausende Stellen streichen will. Die Logik ist identisch: Der Konzern unter Chairman Larry Ellison baut seine Rechenzentren massiv aus, um Kunden wie OpenAI bedienen zu können — und die Kosten dafür sollen laut Bloomberg teilweise durch Stellenstreichungen finanziert werden.
Die Zahlen sind enorm: Oracle will in diesem Jahr bis zu 50 Milliarden Dollar durch Schulden und Aktienverkäufe aufnehmen, um den KI-Ausbau zu finanzieren. Der freie Cashflow dürfte laut Analysten erst gegen 2030 wieder positiv werden. Bereits im September hatte Oracle eine Restrukturierung angekündigt, die bis zu 1,6 Milliarden Dollar kosten soll. Besonders brisant: Ein Teil der gestrichenen Stellen soll in Bereichen liegen, die laut dem Konzern durch den zunehmenden Einsatz von KI „künftig weniger benötigt" werden. Bei 162.000 Mitarbeitern weltweit wird das spürbar.
Das Muster wird zur Blaupause
Was sich seit Wochen abzeichnet, wird zur Regel: Die größten Tech-Konzerne der Welt bauen gleichzeitig massiv Personal ab und investieren rekordbrechende Summen in KI-Infrastruktur.
- Block/Jack Dorsey: 4.000 Stellen gestrichen, von 10.000 auf unter 6.000 — weil KI-Tools kleinere Teams effektiver machen
- Amazon: 16.000 Jobs abgebaut (fast 10 %), CEO Jassy spricht offen davon, dass KI ganze Teams ersetzt
- WiseTech: 2.000 Entwickler durch KI-Agenten ersetzt — das Ende des manuellen Programmierens
- Oracle: Tausende Stellen laut Handelsblatt — KI-Infrastruktur verschlingt 50 Milliarden Dollar
- Meta: Laut Reuters bis zu 20 % der Belegschaft, potenziell über 15.000 Stellen
Die Begründung ist bei allen dieselbe: Nicht Krise, nicht Umsatzeinbruch, sondern die Überzeugung, dass kleinere, KI-unterstützte Teams mehr leisten als große Teams ohne KI. Der Trend schwächt sich nicht ab — er beschleunigt sich.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Das Tempo beschleunigt sich: Innerhalb weniger Wochen haben Block, Amazon, WiseTech, Oracle und jetzt Meta den Zusammenhang zwischen KI-Investition und Personalabbau offengelegt. Wer glaubt, der eigene Arbeitgeber sei davon ausgenommen, ignoriert einen klaren Trend.
2. KI-Kompetenz wird zur Überlebensfrage: Zuckerbergs Aussage über den „einzelnen, sehr talentierten Menschen" ist eine klare Botschaft: Wer KI-Tools produktiv nutzen kann, wird gesucht. Wer es nicht tut, steht auf der Liste.
3. Auch Big Tech ist nicht sicher: Meta investiert Hunderte Milliarden in KI — aber selbst die eigenen Modelle halten nicht mit der Konkurrenz mit. Die Technologie entwickelt sich schneller als die Organisationen, die sie bauen.
4. Keine Branche bleibt verschont: Was bei Software-Entwicklern (WiseTech), Zahlungsabwicklern (Block), Logistik (Amazon) und Datenbank-Software (Oracle) begann, erreicht nun die Zentrale von Social Media. Jede Branche wird diesen Umbau durchlaufen.