Walmarts Experiment mit KI-gestütztem Shopping in ChatGPT ist gescheitert. Laut einem exklusiven Bericht von Wired lagen die Conversion-Raten des "Instant Checkout"-Features — bei dem Nutzer direkt in ChatGPT Walmart-Produkte kaufen konnten — dreimal niedriger als bei der klassischen Variante, bei der Nutzer auf die Walmart-Website klicken.

Ein Reinfall

So direkt formulierte es Daniel Danker, Executive Vice President für Design und Produkt bei Walmart, im Wired-Interview. Das Grundproblem: Das Feature zwang Nutzer, Artikel einzeln zu kaufen. Danker erklärte, die Nutzer hätten Angst, dass bei jedem einzelnen Artikel automatisch ein Checkout ausgelöst werde — und sie am Ende fünf Pakete erhalten, obwohl sie alles in einer Lieferung wollten.

Walmart hat das Feature seit November auf rund 200.000 Produkte angewendet. OpenAI erhielt eine Provision auf Käufe innerhalb von ChatGPT. Die meistgekauften Artikel waren bezeichnenderweise Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel — Impulskäufe, ausgelöst durch Gesundheitsberatungen des Chatbots.

Sparky statt Instant Checkout

Statt weiter am gescheiterten Modell zu arbeiten, wechselt Walmart die Strategie komplett. Ab nächster Woche wird Walmarts eigener Chatbot Sparky direkt in ChatGPT eingebettet — ein Chatbot im Chatbot. Google Gemini soll im nächsten Monat folgen. Der entscheidende Unterschied: Der Warenkorb synchronisiert sich über alle Plattformen hinweg — Walmart-App, Website und ChatGPT.

Die Zahlen sprechen für den Ansatz: ChatGPT bringt Walmart laut Danker bereits doppelt so viele Neukunden wie Suchmaschinen. Sparky-Nutzer geben laut Walmart-US-CEO David Guggina 35 Prozent mehr pro Bestellung aus als andere Kunden. Und die Hälfte aller Walmart-App-Nutzer hat den Bot bereits genutzt.

OpenAI rudert zurück

Für OpenAI bedeutet der Strategiewechsel einen deutlichen Rückzug von der Vision des "agentic commerce", bei dem der Chatbot den gesamten Kaufprozess steuert. Stattdessen sollen künftig eingebettete Händler-Apps den Checkout übernehmen. Walmarts Danker formuliert die Ernüchterung diplomatisch: Die Vorstellung, dass alles vollständig automatisiert werde, sei etwas weit hergeholt — die Menschen hätten nun einmal Freude am Einkaufen.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Agentic Commerce braucht Zeit: Selbst der größte Einzelhändler der Welt mit ChatGPT als Partner konnte KI-gestützten Direktkauf nicht zum Laufen bringen. Unternehmen sollten bei eigenen KI-Commerce-Plänen realistisch bleiben.

2. Chatbots als Kanal, nicht als Kasse: Die Daten zeigen: KI-Chatbots sind hervorragend als Akquise-Kanal (2x mehr Neukunden als Suche), aber schlecht als Checkout-Tool. Die Funktion liegt in der Beratung, nicht im Verkauf.

3. Embedded Experience schlägt AI-Native: Sparky zeigt: Nutzer wollen ihren gewohnten Warenkorb und ihre Zahlungsdaten behalten — und einen intelligenten Assistenten daneben. Nicht umgekehrt.

📰 Quellen
Wired Exklusiv ↗ Walmart Corporate Blog ↗ @negligible_cap auf X ↗
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