Unsere Einordnung

80 Prozent aller Arbeit — und warum Khosla das für eine Chance hält

Vinod Khosla ist kein Außenseiter. Der Mitgründer von Sun Microsystems und Gründer von Khosla Ventures war einer der frühesten und größten Investoren in OpenAI. Wenn er bei Fortune über die Zukunft der Arbeit spricht, hat das Gewicht — auch weil er mit seinen Investitionen auf genau diese Zukunft setzt.

Seine These in diesem 37-minütigen Interview: KI wird 80 Prozent aller menschlichen Arbeit übernehmen — bis 2040. Nicht als dystopische Warnung, sondern als Versprechen einer Überflussökonomie: Wenn Expertise in Medizin, Recht und Ingenieurwesen nahezu kostenlos wird, sinken die Lebenshaltungskosten dramatisch und Menschen können sich Tätigkeiten widmen, die ihnen tatsächlich etwas bedeuten.

Von Dienstleistung zu Freiheit?

Khosla unterscheidet bewusst zwischen Arbeit und Zwang: Die meisten Menschen arbeiteten nicht aus Leidenschaft in Call-Centern oder Steuerberatungskanzleien, sondern weil sie Rechnungen bezahlen müssten. KI könne diese „Dienstleistungs-Knechtschaft" beenden — sofern die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffe.

Sein konkreter Vorschlag: Keine Einkommensteuer unter 100.000 Dollar, dafür eine Angleichung von Kapitalertragssteuer an die reguläre Einkommensteuer. „Kapitalismus funktioniert nur mit Erlaubnis der Demokratie", sagt er. „Man kann nicht 80 Prozent der Bevölkerung abhängen."

Der KI-Wettlauf als geopolitische Machtfrage

Khosla beschreibt den Wettlauf zwischen den USA und China als „techno-ökonomischen Krieg": Wer das KI-Rennen gewinne, gewinne auch das ökonomische Rennen — und damit die globale soziopolitische Macht. An diesem Punkt wird der sonst optimistische Investor ungewohnt ernst: Die USA dürften sich nicht darauf verlassen, dass ihre aktuelle Führungsposition von Dauer sei.

OpenAI, Musk und das größte Risiko seiner Karriere

Im Interview erzählt Khosla erstmals detailliert, wie er 2019 den „größten Einzeleinsatz" seiner Karriere auf OpenAI setzte — zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen noch ein Non-Profit ohne klaren Geschäftsplan war. Zu Elon Musks Ausstieg bei OpenAI äußert er sich diplomatisch, aber klar: Die Entscheidung sei Musks eigene gewesen.

Der vielleicht bezeichnendste Satz des Interviews: „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Fünfjähriger von heute jemals einen Job suchen wird." Ob das eine Verheißung oder eine Warnung ist, hängt davon ab, welche politischen Weichen die Gesellschaft in den nächsten Jahren stellt.