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800 Tage bis zur „Last Economy“: Emad Mostaque über das Ende kognitiver Arbeit

Im „Know Thyself“-Podcast von André Duqum spricht Emad Mostaque — ehemaliger CEO von Stability AI und Kopf der Initiative Intelligent Internet — mit einer schonungslosen Deutlichkeit über unsere unmittelbare Zukunft. Seine zentrale These: Die kognitive menschliche Arbeit nähert sich massiv einem wirtschaftlichen Wert, der nicht nur bei null, sondern sogar im negativen Bereich liegt. Und wir haben nach seiner Rechnung ab sofort nur noch gut 800 Tage, bis diese Disruption den Arbeitsmarkt vollends erreicht.

Die 800-Tage-Prognose: Keyboard, Video, Mouse

Die Frist von 800 Tagen ist dabei nicht aus der Luft gegriffen. Mostaque argumentiert, dass wir keine neuen, unvorhersehbaren Durchbrüche mehr benötigen. Die Modelle, die heute bereits Goldmedaillen in Physik- und Mathe-Olympiaden gewinnen, müssen lediglich skaliert werden, während gleichzeitig die nötige Rechenleistung massiv günstiger wird. Sein klares Fazit: „Jeder Job, der durch Tastatur, Bildschirm und Maus erledigt werden kann, wird innerhalb dieser 800 Tage wirtschaftlich obsolet.“ Das bedeutet nicht zwingend, dass jeder sofort entlassen wird (Menschen feuern ungern und brauchen „Sündenböcke“, so Mostaque), aber der ökonomische Wert der Tätigkeit verschwindet und wird durch Systeme ersetzt, die nicht schlafen, keine Fehler machen und steuerlich absetzbar sind.

Auch die physische Welt ist nicht sicher

Wer glaubt, nur geistige Berufe seien betroffen, den belehrt Mostaque eines Besseren. Er verweist auf physische Systeme wie den Tesla Optimus Roboter und prognostiziert, dass wir auch in der Logistik einen drastischen Wandel sehen werden. Millionen von Fahrern könnten in den nächsten 3 bis 5 Jahren ersetzt werden — durch Roboter, die einfach die Tür des Lkw öffnen, einsteigen und die Arbeit übernehmen.

KI im Schwarm: 50.000 Wörter pro Sekunde

Ein besonders faszinierender Moment des fast zweieinhalb Stunden dauernden Gesprächs betrifft die Geschwindigkeit, mit der diese Systeme lernen und agieren. Wir tendieren heute noch dazu, die KI über langsame Text-Prompts zu messen. Doch die Modelle von morgen werden nicht mehr für Menschen lesbar kommunizieren. „Sie werden untereinander nicht mit 50 Wörtern, sondern mit 50.000 Wörtern pro Sekunde interagieren“, warnt Mostaque, wenn er den Unterschied zwischen der heute öffentlich verfügbaren KI und den rekursiv lernenden, agentengetriebenen Netzwerken skizziert, die hinter verschlossenen Türen bereits entwickelt werden.

Drei Zukünfte — und warum die Entscheidung jetzt fällt

Mostaque sieht die Wirtschaft vor einem Zusammenbruch der klassischen Kreisläufe aus Konsum, Arbeit und Produktion. Er entwirft drei mögliche Pfade: Die dystopische Zentralisierung der Intelligenz durch wenige Konzerne, einen totalen wirtschaftlichen Stillstand – oder aber die „Sovereign AI“, also offene, dezentrale Modelle, auf die alle Menschen Zugriff haben.

Das Interview besticht nicht durch blinden Alarmismus, sondern ist eine glasklare Projektion bestehender Kosten-und Skalierungskurven. Emad Mostaques „Last Economy“ ist kein Sci-Fi-Szenario mehr — es ist der Business Plan der nächsten zwei Jahre. Ein absolutes Muss für jeden, der die Dimension der vor uns liegenden Veränderungen vollumfänglich und ohne rosa Brille begreifen will.