Sam Altman hat 14 Millionen Dollar seines eigenen Geldes investiert, um herauszufinden, ob Bedingungsloses Grundeinkommen funktioniert. Die dreijährige Studie - eine der größten dieser Art weltweit - lieferte ernüchternde Ergebnisse. Jetzt zieht er im Interview mit The-Atlantic-CEO Nicholas Thompson die Konsequenz: "I no longer believe in universal basic income as much as I once did."

14 Millionen Dollar, drei Jahre, ein Befund

2019 half Altman, insgesamt 60 Millionen Dollar aufzutreiben, um einkommensschwache Teilnehmer drei Jahre lang mit 1.000 Dollar pro Monat zu unterstützen. Laut Business Insider fanden die Forscher zwar erhöhte Ausgaben bei den Empfängern, aber keine direkten Nachweise für besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Verbesserungen der physischen und psychischen Gesundheit. Altman selbst hatte das Projekt damals mit dem Satz angekündigt: "It's impossible to truly have equality of opportunity without some version of guaranteed income." Davon ist er mittlerweile abgerückt.

Warum Bargeld nicht reicht

Im Interview erklärt Altman, warum ein fester monatlicher Betrag das grundlegende Problem nicht löse: Die Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Arbeit und Kapital, die KI auslöst, erfordere eine strukturell andere Antwort. Sein Wortlaut: "A fixed cash payment, although useful and maybe a good idea in some ways, does not get at what we're really going to need for this next phase and the kind of collective alignment of shared upside as the balance between labor and capital shifts."

Statt passiver Geldtransfers spricht Altman jetzt über kollektive Beteiligung - etwa in Form von Rechenkapazität oder Unternehmensanteilen. OpenAI hat diese Idee in einem Strategiepapier konkretisiert und dort einen Public Wealth Fund vorgeschlagen, der jeden Bürger an KI-getriebenen Wirtschaftsgewinnen beteiligen soll - auch jene ohne Zugang zu Finanzmärkten.

Von "Universal Basic Income" zu "Universal Basic Compute"

Altmans Alternative klingt zunächst abstrakt: Statt Geld könnte jeder Mensch einen Anteil an KI-Rechenleistung erhalten - nutzbar, verkäuflich oder tauschbar. Im Interview formuliert er es so: "I'm much more interested in ways where we think about kind of collective ownership that could be in compute or in equities or something else."

Die Logik dahinter: Wenn Intelligenz zur wichtigsten Ressource wird, dann sollte die Verteilung dieser Ressource - nicht eines Festbetrags - den sozialen Ausgleich schaffen. Altman warnt im selben Gespräch davor, was passiert, wenn KI zu teuer und schlecht zugänglich bleibt: "The existing rich people are going to bid up the price and it's going to lead to further stratification."

Netz reagiert skeptisch

Die Diskussion auf Reddit (über 1.600 Upvotes, 434 Kommentare) zeigt ein gemischtes Bild. Ein vielbeachteter Kommentar argumentiert, "Universal Compute" sei letztlich nur UBI unter neuem Namen, weil die Rechenleistung zur de-facto-Währung werde. Andere sehen den Schwenk positiver: Altman bewege sich in Richtung "Universal Basic Ownership", also weg von Almosen und hin zu echter Mitsprache an den Produktionsmitteln der KI.

Die härteste Kritik trifft das Studiendesign selbst. Mehrere Nutzer merken an, dass 1.000 Dollar monatlich in US-amerikanischen Großstädten kaum die Miete decken - geschweige denn die Lebensqualität messbar verbessern. Ein User bringt es auf den Punkt: "Ein ChatGPT-Lite-Abo bringt kein Essen auf den Tisch." Andere verweisen auf das finnische UBI-Experiment, das zwar die Jobsuche nicht beschleunigte, dafür aber Stresslevel und Angstzustände der Teilnehmer deutlich senkte.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Paradigmenwechsel bei OpenAI: Altmans Abkehr vom UBI signalisiert eine strategische Neuausrichtung. Statt Sozialtransfers setzt der einflussreichste KI-CEO auf Eigentumsmodelle - das beeinflusst die politische Debatte weltweit.

2. Beteiligung statt Almosen: Wer sich mit KI-Politik beschäftigt, sollte den Public-Wealth-Fund-Ansatz kennen. Er unterscheidet sich grundlegend von klassischem UBI und könnte zum Referenzmodell für europäische Regulierer werden.

3. Zugang bleibt Kernfrage: Altmans Warnung vor Preisinflation bei knapper KI-Rechenleistung betrifft schon heute Unternehmen: Wer keine eigene Infrastruktur aufbaut, zahlt den Preis, den der Markt diktiert.

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📰 Quellen
The Atlantic YouTube ↗ Business Insider ↗ Reddit r/accelerate ↗ OpenAI Industrial Policy PDF ↗
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