Die Arbeitslosenquote frischer Hochschulabsolventen in den USA liegt bei 5,7 Prozent. Wenn es nach ServiceNow-CEO Bill McDermott geht, könnte sie bald eine ganz andere Größenordnung erreichen: „Im mittleren Dreißiger-Bereich" — also über 30 Prozent. Das sagte er in einem Interview mit CNBC.
Agenten übernehmen die Einstiegsjobs
McDermotts Begründung ist nüchtern: „So viel von der Arbeit wird von Agenten erledigt werden. Es wird für junge Menschen herausfordernd, sich im Unternehmensumfeld zu differenzieren." Die Unterbeschäftigungsrate unter Absolventen lag laut der Federal Reserve Bank of New York Ende 2025 bereits bei 42,5 Prozent — der höchste Stand seit 2020.
Und die Entlassungswelle in der Tech-Branche bestätigt den Trend: Block strich fast die Hälfte der Belegschaft, Atlassian entließ zehn Prozent für KI-Investitionen — die Aktie verlor 54 Prozent seit Jahresbeginn. Palantir-CEO Alex Karp will den Umsatz verzehnfachen bei sinkender Mitarbeiterzahl. Amazon-CEO Andy Jassy kündigte an, die Unternehmensbelegschaft mit KI-Tools zu schrumpfen.
90 Prozent automatisiert — und das ist erst der Anfang
McDermott untermauert seine Warnung mit Zahlen aus dem eigenen Haus: ServiceNow habe bereits 90 Prozent der Anwendungsfälle im Kundenservice automatisiert, die zuvor Menschen erledigten. Das Unternehmen halte die Mitarbeiterzahl stabil, steigere aber gleichzeitig Umsatz und freien Cashflow.
Anders als frühere Technologiewellen, die vor allem Produktionsarbeiter betrafen, frisst sich KI direkt in White-Collar-Jobs: Programmierung, Marketing, Datenanalyse, Einstiegspositionen. McDermott: „Ich glaube, das kommt schneller, als die meisten erwarten."
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Einstiegsjobs neu denken: Wer Berufseinsteiger einstellt, sollte deren Aufgabenprofil prüfen — viele klassische Junior-Tätigkeiten lassen sich bereits durch KI-Agenten abbilden.
2. Differenzierung wird überlebenswichtig: Für Absolventen wird die Fähigkeit, KI-Tools produktiv einzusetzen, statt mit ihnen zu konkurrieren, zum wichtigsten Karrierevorteil.
3. Tempo unterschätzen ist gefährlich: Die Automatisierung von 90 Prozent eines Geschäftsbereichs bei einem einzigen Unternehmen zeigt: Die Veränderung ist kein Zukunftsszenario, sondern passiert jetzt.