Anthropic erweitert seinen KI-Assistenten Claude um zwei neue Kernfunktionen für den Arbeitsalltag: Claude Dashboards und Claude Motion. Statt Ad-hoc-Datenabfragen an interne Analyseteams zu delegieren oder Berichte in statischen Textfolien zu vergraben, können Nutzer ab sofort interaktive Datenübersichten mit Live-Verbindung erstellen und Berichte in codebasierte animierte Erklärvideos verwandeln. Beide Werkzeuge starten in einer Beta-Phase für Abonnenten.
Parallel dazu beendet Anthropic die Beta-Phase für die Werkzeuge Docs, Slides und Design und stellt diese ab sofort für alle Nutzerkonten - einschließlich des kostenlosen Zugangs - bereit.
Claude Dashboards verbindet Sprachbefehle mit Live-Unternehmensdaten
Die neue Dashboard-Funktion richtet sich an Teams, die ohne SQL-Kenntnisse Einblicke in ihre Kennzahlen benötigen. Claude Dashboards lässt sich direkt an gängige Datenplattformen anbinden, darunter Amazon Redshift, Google BigQuery, ClickHouse, Databricks und Snowflake, sowie an Kundenverwaltungssysteme wie Salesforce.
Nutzer formulieren Fragen in normaler Sprache, etwa zum wöchentlichen Vergleich von Neuanmeldungen oder zu offenen Vertriebschancen. Claude zieht die relevanten Datensätze heran, generiert interaktive Diagramme und aktualisiert die Ansichten automatisch, sobald sich die zugrundeliegenden Daten ändern.
Um Fehlinterpretationen vorzubeugen, setzt Anthropic auf Transparenz: Ein Klick auf eine Kennzahl blendet die dahinterstehende SQL-Abfrage ein oder lässt sich vom Modell erklären. Jedes Schaubild weist zudem den genauen Zeitstempel der letzten Aktualisierung aus. Bei Bedarf lassen sich erstellte Übersichten direkt an spezialisierte Analyse- und Business-Intelligence-Werkzeuge wie Amplitude, Grafana, Hex, Mixpanel, Omni, Perplexity, PostHog oder Sigma übergeben. Anbindungen an Looker, monday.com und Tableau sollen in Kürze folgen.
Claude Motion animiert Grafiken per Programmcode statt Videomodell
Mit Claude Motion adressiert das Unternehmen die Aufbereitung komplexer Sachverhalte. Das Werkzeug generiert aus Quartalsberichten, Prozessbeschreibungen oder Produktentwürfen kurze animierte Erklärungen, beispielsweise als 30-sekündiges Video für Firmenversammlungen oder Kunden-Onboardings. Das Ergebnis kann direkt im Browser abgespielt, angepasst und als MP4-Datei exportiert werden.
Technisch wählt Anthropic einen anderen Weg als klassische Videogeneratoren: Das Modell erzeugt kein synthetisches Filmmaterial und keine künstlichen Personen, sondern schreibt sauberen Programmcode, der Texte, Vektordiagramme, geometrische Formen und Grafiken präzise animiert. Dadurch bleiben alle Elemente, Zahlenwerte und Zeitabläufe im Editor verlustfrei editierbar.
Dass sich programmatische Videoerstellung im geschäftlichen Umfeld gegenüber reinen Pixelmodellen durchsetzt, zeigte sich bereits bei automatisierten Motion Graphics über Remotion. Erstellte Motion-Projekte können für die Nachbearbeitung in Werkzeuge von Drittanbietern exportiert werden, darunter Adobe Firefly Video Editor, Descript, HeyGen, Higgsfield, invideo, Luma AI und Runway. Schnittstellen zu Canva und Captions sind angekündigt.
| Werkzeug | Funktionsumfang | Verfügbarkeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Claude Dashboards | Interaktive Datenvisualisierung aus Warehouses und CRMs | Beta (Kostenpflichtige Pläne) | Zeigt SQL-Query und Aktualisierungszeitstempel pro Chart |
| Claude Motion | Codebasierte animierte Erklärvideos und Diagramme | Beta (Team & Enterprise) | Keine KI-Halluzinationen, editierbarer Code, MP4-Export |
| Docs, Slides, Design | Kollaborative Dokumente, Folien und Grafiklayouts | Regulär (Alle Pläne inkl. Free) | Formatgetreuer Export nach PowerPoint und Google Slides |
Claude Design zieht um: Standalone-Website schließt im Dezember
Im Zuge der Erweiterung konsolidiert Anthropic seine Produktpalette. Das im Frühjahr als eigene Plattform gestartete Claude Design wird vollständig in die zentrale Chat-Oberfläche überführt. Nach Angaben des Unternehmens bremste der parallele Betrieb zweier getrennter Oberflächen die Weiterentwicklung aus.
Die separate Domain bleibt noch bis zum 14. Dezember 2026 erreichbar. Bis dahin müssen Organisationen bestehende Team-Designsysteme über einen Migrationsassistenten im Bereich Artifacts in ihren Haupt-Workspace übertragen. Projekte, Chatverläufe und öffentliche Freigabelinks der alten Plattform werden nach dem Stichtag abgeschaltet.
Laut Anthropic wurden seit der Einführung der Workspace-Werkzeuge bereits über 45 Millionen Dokumente, Präsentationen und Entwürfe generiert. Durch die Vereinheitlichung greifen alle Funktionen nun auf denselben Kontext, hinterlegte Projektdateien und Konnektoren zu.
Governance und Enterprise-Sicherheit
CMEK-Unterstützung: Enterprise-Kunden können gespeicherte Artifacts ab sofort mit eigenen kryptografischen Schlüsseln (Customer-Managed Encryption Keys) absichern.
Standardmäßig deaktiviert: Um unkontrollierten Datenabfluss zu vermeiden, sind Claude Dashboards und Claude Motion in Enterprise-Instanzen standardmäßig ausgeschaltet und müssen von IT-Administratoren explizit freigegeben werden.
Team-Freigaben: Externe Freigabelinks für Dashboards und Folien lassen sich durch Richtlinien auf Organisationsebene einschränken oder sperren.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Datenabfragen ohne Wartezeiten: Fachabteilungen können Standard-Auswertungen direkt über angebundene Datenbanken durchführen, ohne Tickets bei Data-Engineering-Teams einzureichen.
2. Erklärvideos für Meetings nutzen: Komplexe Kennzahlen lassen sich als 30-Sekunden-Animationen wesentlich eingängiger vermitteln als über überladene Tabellenblätter.
3. Designsysteme rechtzeitig sichern: Teams mit Projekten auf der bisherigen Standalone-Website sollten die Migration in den Haupt-Chat vor dem 14. Dezember abschließen.


