Artificial Narrow Intelligence (ANI)
Artificial Narrow Intelligence (ANI) — oft als „Schwache KI" bezeichnet — beschreibt KI-Systeme, die genau eine Aufgabe beherrschen, diese aber oft besser als jeder Mensch. Jedes KI-System, das heute tatsächlich funktioniert und im Einsatz ist, ist ANI.
AlphaGo spielt Go auf übermenschlichem Niveau, kann aber keine E-Mail schreiben. DALL-E generiert Bilder, versteht aber keinen Satz. GPT-4 wirkt zwar vielseitig, ist aber im Kern ein Textkomplettierungssystem — es hat kein Verständnis der physischen Welt, kein Langzeitgedächtnis und keine Fähigkeit, eigenständig zu handeln.
Die Begrifflichkeit stammt aus der philosophischen Unterscheidung von John Searle (1980), der zwischen „schwacher KI" (simuliert Intelligenz) und „starker KI" (besitzt Intelligenz) unterschied. In der Praxis ist die Grenze allerdings fließend: Ist ein System, das gleichzeitig Texte schreibt, Code generiert, Bilder analysiert und mathematische Beweise führt, wirklich noch „schmal"?
Die ökonomische Bedeutung von ANI ist trotzdem enorm. McKinsey schätzt das wirtschaftliche Potential generativer KI allein auf 2,6 bis 4,4 Billionen Dollar jährlich — und das ist ausschließlich ANI. Medizinische Bilderkennung rettet bereits heute Leben, Sprachübersetzung verbindet Kulturen, Betrugserkennung schützt Milliarden.
Die Frage, ob der Weg von ANI zu AGI ein gradueller Übergang oder ein qualitativer Sprung ist, bleibt eines der offenen Rätsel der KI-Forschung.