Cognitive Computing
Cognitive Computing — ein von IBM geprägter Marketingbegriff — beschreibt den Ansatz, KI-Systeme zu bauen, die menschliche Denkprozesse simulieren: Verstehen natürlicher Sprache, Lernen aus Erfahrung, Umgang mit Unsicherheit und Kontextverständnis.
IBM positionierte Watson, sein Flaggschiff-KI-System, als Cognitive Computing Platform. Watson gewann 2011 die Quizshow Jeopardy! gegen menschliche Champions — ein medienwirksamer Moment. Doch die kommerzielle Umsetzung enttäuschte. Watson for Oncology, das Ärzten bei Krebsdiagnosen helfen sollte, wurde nach Jahren der Entwicklung eingestellt, weil die Empfehlungen oft unzuverlässig waren und Ärzte dem System nicht vertrauten.
Der Begriff „Cognitive Computing" hat sich in der Branche nicht durchgesetzt — „Artificial Intelligence" oder schlicht „AI" gewannen die Begriffsdebatte. Der Grund: „Cognitive Computing" suggeriert eine Nähe zum menschlichen Denken, die heutige Systeme nicht einlösen. Die aktuelle KI-Generation ist statistisch, nicht kognitiv — sie erkennt Muster, versteht aber nichts.
Was bleibt, ist die Vision: KI-Systeme, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern kontextuell verstehen, flexibel schlussfolgern und ihr Wissen selbstständig erweitern. Neurosymbolische KI, die neuronale Netze mit symbolischem Reasoning verbindet, ist der jüngste Versuch, diese Vision umzusetzen. Ob sie dem Anspruch von „Cognitive Computing" näher kommt als Watson, ist offen.