Anthropic baut die mobile Präsenz seines KI-Assistenten Claude drastisch aus: Mit einem umfassenden Update-Paket für iOS, Android und Tablets bringt das Unternehmen eine native Integration in Apple CarPlay, eine neue geteilte Bildschirmansicht für interaktive Artifacts sowie die lang ersehnte Unterstützung für mehrere Benutzerkonten gleichzeitig. Damit schließt Anthropic eine spürbare Lücke zu OpenAI und rüstet Claude gezielt für den mobilen Arbeitsalltag auf.
Freihändiger Sprachmodus: Claude zieht auf das Auto-Dashboard
Die auffälligste Neuerung betrifft Autofahrer: Auf dem iPhone unterstützt der überarbeitete Sprachmodus von Claude ab sofort Apple CarPlay. Nutzer können während der Fahrt per Spracheingabe Recherchen anstoßen, Dokumente besprechen oder Gedankengänge strukturieren, ohne das Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Die App öffnet auf dem Fahrzeugdisplay eine reduzierte Benutzeroberfläche mit dem Startbildschirm „Start a hands-free conversation“, über den sich neue Dialoge beginnen oder kürzlich geführte Unterhaltungen fortsetzen lassen.
Technisch nutzt Anthropic die von Apple mit iOS 26.4 geschaffene Schnittstelle für Dritt-Chatbots. Nachdem OpenAI bereits im Frühjahr seinen ChatGPT-Assistenten für CarPlay bereitgestellt hatte und Apple im Vorfeld von iOS 27 die Öffnung für alternative KI-Dienste vorantrieb, zieht Anthropic nun mit einer eigenen Umsetzung nach. Allerdings gelten strikte Sicherheitsgrenzen von Apple: Claude besitzt keinerlei Zugriff auf Fahrzeugfunktionen wie Klimaanlage oder Fensterheber und kann auch keine nativen iPhone-Systemfunktionen steuern. Zudem unterstützt CarPlay für Drittanbieter keine individuellen Aktivierungsworte per Zuruf - die Unterhaltung muss weiterhin per manuellem Fingertipp auf das Displaysymbol gestartet werden.
Geteilte Ansicht und Multi-Account: Produktiveres Arbeiten auf Tablets
Neben dem Auto-Einsatz zielt das Update vor allem auf Multitasking-Workflows ab. Auf dem iPad sowie auf faltbaren Geräten werden generierte Inhalte - sogenannte Artifacts wie Code-Dateien, formatierte Texte oder interaktive Vorschauen - nun standardmäßig neben dem Chatfenster eingeblendet, statt dieses wie bisher vollständig zu überlagern. Wer eine Detailansicht benötigt, kann das jeweilige Artefakt per Fingertipp auf Vollbild vergrößern. Dadurch entfällt das ständige Hin- und Herwechseln zwischen Prompt-Eingabe und generiertem Ergebnis.
Ebenfalls neu auf iOS und Android ist das Multi-Account-Switching: Nutzer können mehrere Konten parallel angemeldet lassen und nahtlos zwischen ihnen wechseln. Gerade für Berufstätige, die ein privates Pro-Abonnement neben einer betrieblichen Team- oder Enterprise-Lizenz führen, vereinfacht dies den Alltag erheblich, da zeitraubende Ab- und Anmeldevorgänge entfallen.
Die Neuerungen im Überblick
Apple CarPlay: Freihändige Sprachkonversationen am Steuer mit minimierter Bedienoberfläche auf dem Armaturenbrett-Display.
Side-by-Side-Artifacts: Geteilte Bildschirmansicht auf iPad und Foldables mit optionaler Vollbild-Vergrößerung.
Multi-Account-Unterstützung: Gleichzeitiges Angemeldetbleiben in mehreren Benutzerkonten auf iOS und Android.
Desktop-Bedienung für Android: Anpassbare Seitenleiste, Trackpad-, Rechtsklick- und Tastaturkürzel auf Chromebooks und Foldables.
Voice-Optimierung & Sprachen: Schnellere Antwortzeiten, robustere Mikrofoneingabe bei Lärm sowie 24 zusätzliche Sprachen.
Desktop-Gefühl für Chromebooks und 24 neue Sprachen
Für Android-Nutzer auf Großbildgeräten hat Anthropic die Benutzeroberfläche tiefgreifend überarbeitet. Auf Chromebooks, Googlebooks und faltbaren Smartphones verhält sich die Claude-App nun wie eine klassische Desktop-Anwendung: Sie bietet eine flexibel anpassbare Seitenleiste, reagiert auf Rechtsklicks und Trackpad-Gesten und unterstützt dieselben Tastaturkombinationen wie die Claude-Desktop-App für macOS und Windows.
Gleichzeitig hat der Hersteller den Sprachmodus technisch aufgewertet: Laut Anthropic antworte der Sprachassistent spürbar schneller und verstehe Anweisungen auch in lauter Umgebung oder bei leisem Sprechen zuverlässiger. Zudem klinge die Sprachausgabe in anderen Sprachen als Englisch natürlicher, und die Funktion stehe auf einer breiteren Auswahl an Android-Smartphones zur Verfügung. Plattformweit kommen 24 neue Sprachen hinzu - darunter Dänisch, Ukrainisch, Vietnamesisch, Türkisch, Swahili, Bengali und Thai -, womit Claude nun 33 Sprachen abdeckt. Als nächste Funktion stellt das Unternehmen ein Pull-down-Suchfeld für frühere Chats, Projekte und Einstellungen auf iPhone und iPad in Aussicht.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Reisezeit als Arbeitszeit nutzen: Der CarPlay-Sprachmodus eignet sich ideal, um auf Pendelfahrten Meeting-Notizen zu diktieren, Argumente für Präsentationen zu strukturieren oder Recherchen vorzubereiten, ohne das Smartphone bedienen zu müssen.
2. Berufliche und private Daten sauber trennen: Dank des Multi-Account-Wechsels können Mitarbeiter unkompliziert zwischen Firmenlizenz und persönlichem Konto umschalten, wodurch Compliance-Richtlinien einfacher eingehalten werden.
3. Tablet wird zum vollwertigen Prompt-Arbeitsplatz: Durch die geteilte Bildschirmdarstellung von Code und Vorschau auf dem iPad lässt sich Claude unterwegs ähnlich effizient für Text- und Softwareprüfungen einsetzen wie am Desktop-Rechner.
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