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Der Preiskampf der KI-Anbieter und das Prinzip Model-Routing

In der siebten Folge des KI Woche Podcasts sprechen Markus Kirchmair und Thomas Seiger mit dem Tiroler Softwareentwickler Kevin Riedl, Gründer des Software Product Studios Wavect. Zum Auftakt geht es um den Preis- und Subventionswettbewerb zwischen OpenAI, Anthropic, Google und den offenen Modellen aus China. Riedl erklärt, warum Model-Routing für ihn zum Pflichtwerkzeug wird: Ein kleines, teils lokal betriebenes Modell übernimmt einfache Aufgaben, ein stärkeres Modell plant Architektur oder löst schwierige Probleme. Die Runde vergleicht die aktuellen Token-Resets mit den Airdrops der Krypto-Zeit - viel geschenkte Nutzung bringt schnell neue Nutzer, aber noch keine loyalen Kunden.

KI-Code ist nur so belastbar wie der Prozess dahinter

Anschließend wird es praktisch. Riedl berichtet von Vibe-Coding-Prototypen, die sein Team monatelang aufräumen musste, aber auch von KI-generierten Smart Contracts, bei denen externe Prüfer keine Sicherheitslücke fanden. Der Unterschied liege nicht im Etikett, sondern in Spezifikation, Tests, Refactoring, Backups und der Frage, wer am Ende Verantwortung übernimmt. Auch besserer KI-Code mache aus einem schnellen Prototypen noch kein belastbares Produkt. Thomas Seiger ordnet dazu die Haftungsfrage ein und verweist auf eine aktuelle Entscheidung des Landgerichts München I.

Kleineres Team, mehr Output - und Fokus als neuer Engpass

Wavect arbeite im Kern heute zu zweit, während das frühere Team rund zehn Personen umfasste, und erziele trotzdem deutlich mehr Output. Damit verschiebt sich der Engpass: Nicht mehr das Tippen limitiert, sondern der menschliche Fokus beim Steuern paralleler KI-Agenten. Wer zehn Agenten gleichzeitig führt, muss Aufgaben sauber trennen, Ergebnisse zusammenführen und Fehler früh erkennen. Die Folge endet bei der größeren wirtschaftlichen Frage: Wenn Software immer billiger wird, wer gewinnt dann noch Aufmerksamkeit, Vertrauen und zahlende Kunden?

Drei Kernpunkte der Episode:

1. Model-Routing wird zum Standard: Gratis-Tokens binden keine Kunden - Wert entsteht über das Routing zwischen lokalen, günstigen und starken Modellen sowie über Integrationen und Ökosysteme.

2. Prozess schlägt Etikett: Ob Vibe Coding oder Agentic Engineering entscheidet nicht das Werkzeug, sondern Spezifikation, Tests, Versionskontrolle, Backups und klare Verantwortung.

3. Fokus wird knapper als Code: Kleine Teams produzieren mehr Software denn je - der eigentliche Engpass ist, wie viele parallele Agenten ein Mensch noch zuverlässig überblickt.