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Chinas Staatschef Xi Jinping hat mit seinem ersten persönlichen Auftritt auf der World Artificial Intelligence Conference (WAIC) 2026 in Shanghai ein deutliches Signal an die globale Tech-Gemeinschaft gesendet. Seine Grundsatzrede war kein technologisches Schaulaufen von Chatbots und Benchmarks. Stattdessen präsentierte er eine umfassende geostrategische Vision, die Künstliche Intelligenz als globale Infrastruktur versteht und gezielt Allianzen mit dem Globalen Süden schmiedet.

Die Gründung der WAICO in Shanghai

Im Zentrum der Rede stand die offizielle Bekanntgabe der World Artificial Intelligence Cooperation Organization (WAICO). Nur einen Tag vor der Ansprache unterzeichneten Vertreter von 29 Gründungsmitgliedern das Abkommen in Shanghai, wo die neue Organisation auch ihren Hauptsitz haben wird. WAICO soll als institutionalisierte Plattform dienen, um die internationale Zusammenarbeit zu steuern und Chinas Vorstellungen einer gerechten globalen KI-Governance voranzutreiben. Damit schafft Peking ein institutionalisiertes Gegengewicht zu den westlich dominierten Standards.

Infrastruktur und Hilfe für den Globalen Süden

Xi Jinping untermauerte Chinas Führungsanspruch mit konkreten Angeboten an Entwicklungsländer. In den kommenden fünf Jahren will Peking 5.000 Ausbildungsplätze für KI-Fachkräfte aus dem Globalen Süden bereitstellen. Zudem sollen gemeinsame Kooperationszentren mit Regionalbündnissen wie der ASEAN, der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga und den BRICS-Staaten aufgebaut werden. Ein greifbares Beispiel für Chinas Ansatz ist die Bereitstellung des KI-gestützten meteorologischen Frühwarnsystems Mazu für 30 Partnerstaaten, um Naturkatastrophen besser abzuwehren.

Chinas vier Governance-Prinzipien

Die chinesische Strategie ruht laut Xi Jinping auf vier Säulen:

  • Offenheit und Zusammenarbeit: Ein klares Bekenntnis zu Open-Source-Modellen und dem gemeinsamen Nutzen technologischer Fortschritte.
  • Sicherheit und Kontrolle: Die Warnung vor den Risiken der Technologie bei gleichzeitigem Widerstand gegen eine Überdehnung des nationalen Sicherheitsbegriffs durch einzelne Staaten - was als direkte Kritik an den US-Sanktionen zu verstehen ist.
  • Kulturelle Inklusion: KI soll die kulturelle Vielfalt der Nationen respektieren und nicht die Werte einzelner Länder universell vorschreiben.
  • Solidarität unter UN-Führung: China fordert eine globale Governance unter dem Dach der Vereinten Nationen und lehnt eine "neue historische Ungerechtigkeit" durch digitale Spaltung ab.

Die Botschaft aus Shanghai ist eindeutig: Während der Westen über Urheberrecht, Sicherheitsrisiken und das Erreichen der künstlichen Superintelligenz (AGI) debattiert, baut China pragmatische Partnerschaften auf und verankert seine Technologie in den Schwellenländern. Das Smart-Economy-Netzwerk Chinas, das im eigenen Land bereits über eine Billion RMB wert sein soll, wird damit zum Exportgut für die multipolare Weltordnung.