Unsere Einordnung
Wem gehört die KI-Revolution? Diese Frage steht im Zentrum von Episode 262 des Moonshots-Podcasts mit Peter Diamandis – und die Antworten der vier Gesprächspartner könnten unterschiedlicher kaum ausfallen.
Senator Bernie Sanders hat den „American AI Sovereign Wealth Fund Act" vorgelegt – den bisher radikalsten Vorschlag zur Umverteilung von KI-Gewinnen. Die Kernforderung: OpenAI, Anthropic und andere führende KI-Unternehmen sollen 50 Prozent ihrer Aktien an einen öffentlichen Vermögensfonds abtreten. Nicht 50 Prozent der Gewinne, wohlgemerkt – 50 Prozent des Eigenkapitals. Jeder Amerikaner soll damit zum Miteigentümer der KI-Revolution werden.
Sanders argumentiert mit einem einfachen Grundsatz: Wenn eine öffentliche Ressource Reichtum erzeugt, muss die Öffentlichkeit daran beteiligt werden. KI sei auf einer öffentlichen Ressource aufgebaut, „die wertvoller ist als Öl" – den Daten, der Infrastruktur und dem Wissen der Gesellschaft.
Investor Dave Blundin reagierte wenig diplomatisch: „The idea is obviously stupider than stupid." Sein Hauptargument: Aktien sind kein Bargeld. Um aus fünf Billionen Dollar in Unternehmensanteilen tatsächlich öffentliche Leistungen zu finanzieren, müsste der Staat diese Aktien verkaufen – und dabei die Märkte crashen. „You'll own this stock for exactly one election cycle", prognostiziert Blundin: Der erste Präsident, der seinen Haushalt nicht schließen kann, würde die Aktien abstoßen.
Differenzierter ordnet es Alexander Wissner-Gross ein, der den Begriff Universal Basic Equity (UBE) in die Diskussion einführt – als Alternative zum bekannten Universal Basic Income. UBE meint: Ein staatlicher Vermögensfonds, der Unternehmensanteile hält und die Dividenden an die Bevölkerung ausschüttet. Ein solcher Sovereign Wealth Fund sei „very likely to happen", so Wissner-Gross – nur eben nicht über eine Zwangsenteignung von 50 Prozent. Er verweist darauf, dass die Trump-Administration bereits 10-Prozent-Beteiligungen an Intel und Golden-Share-Äquivalente an anderen Unternehmen aufbaut. Die Infrastruktur für einen US-Staatsfonds entsteht also schon.
Emad Mostaque, Gründer von Intelligent Internet, rechnet nüchtern nach: 50 Prozent von OpenAI und Anthropic zusammen ergäben gerade mal ein paar tausend Dollar pro amerikanischem Bürger. Sein Gegenvorschlag: KI-Unternehmen sollten Aktienanteile freiwillig in die bestehenden „Invest America"-Fonds jedes einzelnen Kindes legen – keine staatliche Zwangsabgabe, sondern eine gezielte Beteiligung der nächsten Generation.
Am aufschlussreichsten ist vielleicht Diamandis' eigene Einschätzung: Selbst wenn Sanders' 50-Prozent-Forderung politisch keine Chance hat, verschiebt sie das Overton Window. Die Idee, dass die Öffentlichkeit einen Anteil an KI-Unternehmen verdient, wird dadurch salonfähig. Fünf oder zehn Prozent als Bedingung für den Zugang zum US-Markt – das hält Diamandis für durchaus realistisch.
Die Episode behandelt daneben Trumps neue AI Executive Order (freiwillige 30-Tage-Vorschau statt harter Regulierung), ChatGPTs Meilenstein von einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer, Anthropics vertrauliches IPO-Filing mit einer erwarteten Bewertung jenseits von 1,8 Billionen Dollar, und drei bemerkenswerte Longevity-Meldungen – darunter Russlands 26-Milliarden-Dollar-Investition in Anti-Aging-Forschung und eine Gentherapie, die mit einer einzigen Infusion den Cholesterinspiegel dauerhaft um 62 Prozent senkt.
Für jeden, der verstehen will, wie die Debatte um KI-Reichtum und seine Verteilung gerade erst beginnt, ist diese Folge Pflichtprogramm.