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In einem praxisnahen Härtetest nimmt c't-3003-Redakteur Sahin Erengil die virale Open-Source-Suite ArtCraft unter die Lupe: Kann die in Rust via Vibe-Coding entstandene Softwarefamilie tatsächlich ein vollwertiges Produktionsvideo inklusive After-Effects-Animationen und Photoshop-Thumbnail ersetzen? Das Projekt des US-Entwicklers Brandon Thomas baut zentrale Adobe-Werkzeuge nach und lässt sich nativ unter Linux, macOS und Windows ausführen.

Praxistest: Überraschend solide Grundlagen mit Alpha-Schwächen

Im Test auf einem MacBook M1 Max zeigt sich ein differenziertes Bild:

  • PhotoCraft: Der Photoshop-Klon erweist sich für Routinearbeiten wie Thumbnails, Ebenenmasken und Typografie als erstaunlich ausgereift und bedient sich nahezu identisch zum Original.
  • FilmCraft & EffectCraft: Schnittfunktionen, Keyframe-Animationen, Tracking und Werkzeuge wie der Roto-Brush greifen zuverlässig. Bei der Rendergeschwindigkeit hat Premiere Pro allerdings noch um 30 bis 50 Prozent die Nase vorn, zudem stürzte EffectCraft unter Linux stellenweise ab.
  • PdfCraft: Die schlanke Acrobat-Alternative arbeitet beim Ausfüllen von Formularen sogar performanter und stabiler als das Original.

Der eigentliche Bruch: Bugs und Workflows per Prompt selbst reparieren

Den gravierendsten Unterschied zur klassischen Softwareentwicklung markiert die Anpassbarkeit: Erengil forkte das Repository und ließ Programmier-Agenten fehlende Kernfunktionen in Minutenschnelle nachrüsten - darunter fehlende Schnittmarken-Handles und eine direkte Clip-Übergabe zwischen FilmCraft und EffectCraft. Zusammen mit der integrierten MCP-Schnittstelle für KI-gestützten Rohschnitt unterstreicht das Video, wie die im ArtCraft-Projekt demonstrierte Cleanroom-Entwicklung geschlossene Software-Monopole herausfordert.