30 Prozent aller österreichischen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten haben im ersten Halbjahr 2025 mindestens eine KI-Technologie eingesetzt. Das zeigt die aktuelle IKT-Erhebung der Statistik Austria, die zwischen Februar und Juli 2025 durchgeführt wurde. Eine wichtige Einordnung vorab: Die Befragung fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Reasoning- und Coding-Fähigkeiten der damaligen Modelle noch deutlich eingeschränkter waren und agentische KI-Systeme praktisch keine Rolle spielten. Die Zahlen bilden also den Stand von Anfang 2025 ab - nicht den heutigen.

Verdreifachung in vier Jahren

Die Entwicklung ist trotzdem bemerkenswert: 2021 lag die KI-Nutzungsquote bei 9 Prozent, 2023 bei 11 Prozent, 2024 bei 20 Prozent und Anfang 2025 bei 30 Prozent. In vier Jahren hat sich der Anteil also mehr als verdreifacht. Besonders der Sprung von 2023 auf 2025 - von 11 auf 30 Prozent - fällt auf und dürfte maßgeblich auf den ChatGPT-Effekt zurückgehen.

Die Unterschiede nach Unternehmensgröße sind erwartbar: 68 Prozent der Großunternehmen (250+ Beschäftigte) setzen KI ein, bei mittelgroßen Betrieben (50-249) sind es 45 Prozent, bei kleinen (10-49) nur 26 Prozent. Der Dienstleistungssektor liegt mit 33 Prozent vor dem produzierenden Bereich mit 24 Prozent.

ICT-Branche vorn, Bau abgeschlagen

Die branchenspezifischen Unterschiede sind groß: Im ICT-Sektor nutzen 80 Prozent der Unternehmen KI, im Baugewerbe sind es nur 15 Prozent. Regional führt Wien mit 37 Prozent, dicht gefolgt von Vorarlberg mit 36 Prozent. Das Schlusslicht bildet das Burgenland mit 18 Prozent.

Was die Unternehmen konkret einsetzen, überrascht wenig: 73 Prozent der KI-Nutzer verwenden Texterkennung und -verarbeitung - also im Wesentlichen Chatbots und Sprachmodelle. Marketing und Verkauf sind auf EU-Ebene der häufigste Einsatzbereich (35 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen).

Die Nicht-Nutzer: Desinteresse statt Angst

Aufschlussreich sind die Gründe für die Nicht-Nutzung: 77 Prozent der Unternehmen ohne KI haben das Thema nach eigenen Angaben nie in Erwägung gezogen. Nicht Datenschutzbedenken (11 Prozent) oder rechtliche Unklarheiten (11 Prozent) sind die Haupthürden, sondern schlicht fehlendes Interesse oder mangelndes Problembewusstsein. Nur 15 Prozent nennen fehlendes Fachwissen als Hinderungsgrund.

Bei den KI-Nutzern zeigt sich ein pragmatischer Umgang: 56 Prozent kaufen kommerzielle KI-Software ohne weitere Anpassung. 27 Prozent nutzen Open-Source-Lösungen. Nur ein Drittel (34 Prozent) der KI-nutzenden Unternehmen hat bisher KI-Richtlinien verabschiedet.

Österreich im EU-Vergleich

Österreich liegt laut der Erhebung im EU-Spitzenfeld bei der KI-Nutzung. Das ist eine erfreuliche Positionierung, wobei sich die Zahlen durch die rasante Entwicklung der vergangenen Monate bereits verändert haben dürften. Die nächste Erhebung wird vermutlich deutlich höhere Werte zeigen - nicht zuletzt, weil viele der heutigen KI-Werkzeuge Anfang 2025 schlicht noch nicht verfügbar waren.

🎯 Was das für die Praxis bedeutet

1. Zeitliche Einordnung beachten: Die Daten stammen aus dem ersten Halbjahr 2025. Viele der heute verfügbaren Modelle und Agenten-Systeme gab es damals noch nicht. Die tatsächliche KI-Nutzung dürfte heute deutlich höher liegen.

2. KMU-Potenzial ist riesig: 77 Prozent der Nicht-Nutzer haben KI nie in Betracht gezogen. Für Berater, Trainer und KI-Dienstleister ist das ein klares Signal: Der Markt ist nicht gesättigt, sondern größtenteils noch nicht einmal adressiert.

3. Richtlinien nicht vergessen: Zwei Drittel der KI-nutzenden Unternehmen haben keine KI-Richtlinien. Angesichts des EU AI Acts ist das ein Risiko. Unternehmen sollten spätestens jetzt klare Regeln für den KI-Einsatz definieren.

📰 Quellen
Statistik Austria PDF ↗ ORF Tirol ↗
Teilen: