Das deutsche KI-Startup Warmwind aus Jena hat den weltweiten Rollout seiner Plattform Warmwind OS gestartet. Nach dreijähriger Entwicklungszeit und einer geschlossenen Betaphase stellt das Unternehmen autonome „digitale Mitarbeiter“ bereit, die auf isolierten Cloud-Computern arbeiten und Standardsoftware wie SAP, ERP-Systeme oder Webportale visuell mit virtueller Maus und Tastatur bedienen - vollständig ohne Programmieraufwand oder individuelle Schnittstellen.
Laut einer Mitteilung von Warmwind zum internationalen Rollout verzeichnete die Plattform im Vorfeld des Starts knapp 90.000 Registrierungen aus über 30 Ländern, wobei jeweils rund 40 Prozent der Nachfrage aus der Europäischen Union und den USA stammen. Vor dem öffentlichen Start habe das Unternehmen bereits rund 450.000 Euro an wiederkehrenden Jahresumsätzen (ARR) erzielt.
Visuelle Interaktion statt komplexer Schnittstellen
Während viele bestehende Automatisierungswerkzeuge auf Programmierschnittstellen (APIs) angewiesen sind, verfolgt Warmwind einen radikal visuellen Ansatz. Die KI-Mitarbeiter arbeiten auf einer virtuellen Arbeitsoberfläche und erkennen Bildschirminhalte ähnlich wie menschliche Nutzer. Aufgaben wie Rechnungsprüfung, Stammdatenpflege, Kundenanfragen oder Portalüberwachungen können Mitarbeitende der KI über einen integrierten Anlernmodus („Teach-In“) per Sprache und Bildschirm-Demonstration beibringen.
Gründer und Geschäftsführer Maximilian Schilling begründet diese Architektur mit den Grenzen reiner Sprachmodelle bei der Bildschirmarbeit: Klassische Frontier-Modelle seien für einfache Klicks oft zu langsam und im Dauereinsatz unwirtschaftlich. Warmwind setze daher auf spezialisierte Modelle aus der Robotikforschung, wodurch die Betriebskosten laut Unternehmensangaben auf durchschnittlich 1,00 bis 1,50 Euro pro aktiver Arbeitsstunde sinken sollen. Der reguläre Plattformzugang beginnt bei 24 Euro pro Woche.
Im Markt für autonome Agenten ergänzt Warmwind damit den Trend zu eigenständigen Arbeitsumgebungen, wie er zuletzt auch bei Konzepten wie dem Grok Bot mit eigenem Cloud-PC oder Open-Source-Lösungen wie dem Hermes Bot Mode zu beobachten war. Auch OpenAI hatte seine Computer-Use-Funktionen für den europäischen Markt ausgebaut.
Warmwind OS im Überblick
| Kriterium | Spezifikation / Umsetzung | Bedeutung für Unternehmen |
|---|---|---|
| Bedienkonzept | Visuelle Steuerung via Maus und Tastatur auf virtuellem Desktop | Keine API-Entwicklung für Altsysteme (Legacy-Software) notwendig |
| Infrastruktur & Hosting | Dedizierte Cloud-Instanzen in Falkenstein (Deutschland) via Hetzner | Strikte Trennung von Kundendaten und Einhaltung europäischer Standards |
| Betriebskosten | Laut Anbieter 1,00 bis 1,50 Euro pro aktiver Betriebsstunde | Wirtschaftlicher Dauerbetrieb für wiederkehrende Routineaufgaben |
| Anlernmethode | Multimodaler Teach-In-Modus via Sprache und Klick-Demonstration | Fachabteilungen können Abläufe ohne IT-Unterstützung konfigurieren |
Deutsche Infrastruktur und Partnerschaft mit Hetzner
Ein zentraler Faktor für Unternehmenskunden ist die Datensicherheit: Jeder KI-Worker arbeitet in einer technisch isolierten Instanz, sodass keine Daten zwischen verschiedenen Kundenkonten vermischt werden. Die zugrundeliegende Rechenzentrumsinfrastruktur wird im sächsischen Falkenstein über den Cloud-Anbieter Hetzner betrieben. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft hat sich Hetzner zudem mit einem Millionenbetrag am Startup beteiligt, um die Plattform auf bis zu 10.000 zahlende Unternehmenskunden zu skalieren.
Warmwind mit Hauptsitz in Jena beschäftigt aktuell 15 Mitarbeiter und hatte vor dem Rollout bereits eine Seed-Finanzierungsrunde über 1,5 Millionen Euro unter Führung von bm|t Beteiligungsmanagement Thüringen, BRT Ventures und Nordberg Ventures abgeschlossen. Erste Pilotprojekte laufen nach Unternehmensangaben bereits im industriellen Mittelstand sowie bei DAX-Konzernen.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Routineprozesse ohne Programmieraufwand prüfen: Wiederkehrende manuelle Bildschirmarbeiten wie Belegabgleich, ERP-Eingaben oder Ticket-Sortierung lassen sich nun ohne monatelange IT-Projekte testen.
2. Datenschutz bei Cloud-Agenten verifizieren: Die Ausführung auf dedizierten Servern in Deutschland erleichtert Compliance-Prüfungen im Vergleich zu rein US-basierten Cloud-Diensten.
3. Überwachtes Anlernen einplanen: Neue Workflows sollten in den ersten Betriebsstunden von menschlichen Fachkräften stichprobenartig kontrolliert werden, bis der Prozess stabil läuft.


