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Milliardär und Blasen-Prophet: Warum Jeremy Grantham jetzt vor KI-Aktien warnt

Jeremy Grantham hat die Dotcom-Blase erkannt, bevor sie platzte. Ebenso die Immobilienblase 2007. Jetzt sitzt der 87-jährige Mitgründer von GMO bei Steven Bartlett und stellt eine These auf, die an der Wall Street für Unruhe sorgt: Die KI-Rallye sei die größte Spekulationsblase der amerikanischen Geschichte — größer als die Eisenbahn-Manie des 19. Jahrhunderts, größer als die Internetblase der Jahrtausendwende.

Die zentrale These: 70 Prozent Absturz bei KI-Aktien

Grantham unterscheidet sorgfältig zwischen Technologie und Marktbewertung. KI sei durchaus eine transformative Technologie, vergleichbar mit der Elektrifizierung. Das Problem liege nicht in der Technologie selbst, sondern in der Preisbildung. Die aktuellen Bewertungen der großen KI-Unternehmen spiegelten eine annähernd perfekte Zukunft wider — in einer Welt, die alles andere als perfekt sei. Seine Prognose: Ein Rückgang von bis zu 70 Prozent bei den führenden KI-Titeln. Gesamtmarktbewertungen könnten 50 bis 80 Prozent unter ihren Höchstständen landen.

Was Anleger laut Grantham tun sollten

Statt in US-Technologiewerte zu investieren, empfiehlt Grantham eine klare Diversifikationsstrategie: 60 Prozent in breit aufgestellte internationale Aktienindizes außerhalb der USA, 5 bis 10 Prozent in Edelmetalle, dazu Immobilien und Anleihen. Kryptowährungen hingegen seien wertlos und würden langfristig auf null fallen. SpaceX bezeichnet er als "fabelhaften Unsinn" und Symptom der Markteuphorie.

Über Märkte hinaus: Gesellschaftliche Warnsignale

In der zweiten Hälfte des Gesprächs verlässt Grantham das Finanzterrain. Er spricht über sinkende Geburtenraten, die Rolle endokriner Disruptoren in der modernen Umwelt und den Verfall gesellschaftlichen Vertrauens. Seine Skepsis gegenüber der Mars-Kolonialisierung rundet ein Gespräch ab, das weit über klassische Investoreninterviews hinausgeht.

1. Bewertungsblindheit vermeiden: Granthams Kernargument richtet sich nicht gegen KI als Technologie, sondern gegen die Preise, zu denen sie aktuell am Markt gehandelt wird. Wer in KI investiert, sollte zwischen dem Potenzial der Technologie und der Rationalität ihrer Marktbewertung unterscheiden.

2. Geografische Diversifikation prüfen: Mit einer empfohlenen Allokation von 60 Prozent in Nicht-US-Aktien empfiehlt Grantham eine deutlich stärkere internationale Streuung als die meisten westlichen Portfolios aufweisen. Für europäische Anleger bedeutet das: Die eigene Heimatmarkt-Gewichtung könnte strategisch sinnvoller sein als gedacht.

3. Historische Muster ernst nehmen: Grantham hat bei drei der letzten vier großen Blasen Recht behalten. Auch wenn Timing bei Crash-Prognosen notorisch schwierig ist — die Strukturparallelen zu früheren Spekulationsepisoden verdienen Aufmerksamkeit.