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KI-Kreativität mit Maray Paul: Zwischen Maskottchen, Bildwelten und der Zukunft des Films

Maray Paul gehört zu den auffälligsten KI-Creatorinnen im deutschsprachigen LinkedIn-Raum. Seit über einem Jahr fällt sie dort mit visuell aufwendigen Vergleichen aktueller Bildgeneratoren auf – keine trockenen Benchmark-Tabellen, sondern echte kreative Ergebnisse, die zeigen, was die Tools wirklich können. In dieser Podcast-Folge sprechen Markus und Thomas mit ihr über ihren Weg von der Kommunikationsmanagerin zur KI-Künstlerin, über Werkzeuge, Workflows und die gesellschaftlichen Fragen, die dahinter stehen.

Ein Affe als Markenzeichen

Marays Maskottchen – ein niedlicher Affe – ist kein Zufall. Auf LinkedIn zählt Aufmerksamkeit, und wer sich nicht über blaue Haare oder einen Rockstar-Look differenziert, braucht andere Mittel. Die Entscheidung für ein Maskottchen war dabei auch pragmatisch: Ein menschenähnlicher Charakter ließ sich mit den damaligen KI-Modellen deutlich konsistenter darstellen als etwa ein Drache. Und als Nano Banana kam, war das Konsistenzproblem im Bildbereich weitgehend gelöst.

Die Werkzeugkiste einer KI-Künstlerin

Marays Workflow ist ein aufschlussreicher Einblick in die Praxis. Für Charakterkonsistenz setzt sie auf GPT Image 1.5 – aktuell der stärkste Allrounder. Für ästhetische Bildwelten bleibt Mid Journey unverzichtbar. Die Methode: Mid-Journey-Bilder als Referenz generieren, dann in ChatGPT zusammenführen, wo Konsistenz und Komposition stimmen. Hintergründe, Outfits, Farbstimmungen entstehen bei Mid Journey, die finale Montage bei OpenAI.

Für Videos nutzt sie Higgs Field – eine Plattform, die mehrere Videogeneratoren unter einem Dach bündelt. Der Vorteil: Kein ständiges Kündigen und Neu-Abonnieren, wenn wieder ein neuer Generator ein Update veröffentlicht. Und ein Tipp, den selbst Markus noch nicht kannte: Über Eleven Labs lässt sich KI-Musik generieren, die auf das fertige Video abgestimmt ist – choreografiert auf Stimmung und Rhythmus der einzelnen Szenen.

20 Stunden für einen Trailer

Nectropolis – Marays selbst erschaffene düstere Steampunk-Welt – demonstriert, was mit KI-Videoproduktion heute möglich ist. Der Trailer sieht nach Kinoqualität aus, hat aber rund 20 Arbeitsstunden gekostet. Noch vor sieben Monaten wären es 50 gewesen. Die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung von außen („Das klickt man doch zusammen") und dem tatsächlichen Aufwand ist nach wie vor enorm. Maray plant, Nectropolis zu einer echten KI-Serie auszubauen – Story und Look existieren bereits.

Gesellschaft, Bildung und die Frage nach dem Zurück

Das Gespräch wird nachdenklich, als es um die gesellschaftlichen Folgen geht. Maray vergleicht den Moment mit der industriellen Revolution – nur größer. Wissen wird instant verfügbar. Kinder müssen sich Informationen nicht mehr erarbeiten. KI wird zum besten Freund, zur Pflegekraft, zum Therapeuten. Und der Confirmation Bias eingebauter Freundlichkeit macht aus KI-Assistenten schnell Ja-Sager, wenn man nicht bewusst gegensteuert.

Gleichzeitig bleibt Maray fasziniert. Ihre persönliche Vision: Irgendwann werden Filme in Echtzeit auf individuelle Vorlieben zugeschnitten – Setting, Genre, Charaktere, alles konfigurierbar. Markus vergleicht das mit personalisierten Büchern auf Kindle. Beide sehen das nicht als Science Fiction, sondern als logische Konsequenz der aktuellen Entwicklung. Offen bleibt die soziale Komponente: Worüber reden wir, wenn jeder seinen eigenen Film sieht?

Europa und der kreative Wettlauf

Am Ende steht die Frage, die niemand mehr umgehen kann: Wo ist die EU? Alle Tools, die Maray nutzt, kommen aus den USA oder China. Flux aus dem Schwarzwald hat an Bedeutung verloren. Europäische Regulierung schützt zwar, bremst aber auch. Maray findet das problematisch – nicht weil Datenschutz unwichtig wäre, sondern weil man die Außenumstände mitdenken muss, wenn man nicht abgehängt werden will.