Microsoft hat Copilot Cowork weltweit für alle Microsoft-365-Copilot-Kunden verfügbar gemacht. Anders als der bisherige Copilot, der Texte entwirft oder Fragen beantwortet, soll Cowork komplexe, mehrstufige Aufgaben eigenständig ausführen - über mehrere Tools und Systeme hinweg.
Was Cowork konkret macht
Laut dem Blogpost von Charles Lamanna, Microsofts Executive Vice President für Copilot, arbeitet Cowork als agentenbasiertes System: Nutzer definieren eine Aufgabe, Cowork erledigt die nötigen Schritte. Das reicht vom Versenden von E-Mails über das Erstellen von Dokumenten bis zur Verwaltung von Kalendern und dem Durcharbeiten von Dateien. Im Hintergrund läuft Work IQ - eine Intelligenzschicht, die kontinuierlich Inhalte aus E-Mails, Chats, Dateien und Meetings in Microsoft 365 verarbeitet und Cowork damit kontextbezogene Ergebnisse liefern lässt.
Anthropic unter der Haube
Bemerkenswert ist die Modellwahl: Cowork läuft zum Start auf Anthropic-Modellen - konkret Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Microsoft kündigt parallel ein eigenes feingetuntes Modell namens „Cowork 1" an, das speziell auf Kosteneffizienz und Leistung für Unternehmensaufgaben optimiert werden soll. Die Multi-Modell-Strategie zeigt: Selbst Microsoft setzt bei seinen eigenen Produkten nicht ausschließlich auf eigene Modelle.
Pay-as-you-go statt Flatrate
Die Abrechnung folgt einem neuen Modell: Statt der üblichen Pro-Nutzer-Lizenz wird Cowork über Copilot Credits abgerechnet - 0,01 Dollar pro Credit, wahlweise als Pay-as-you-go oder als Prepaid-Paket. Voraussetzung bleibt eine Microsoft-365-Copilot-Nutzerlizenz (USL). Unternehmen, die an der „Frontier"-Preview zwischen März und Juni 2026 teilgenommen haben, erhalten eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2026.
Erweiterbar über Plugins und Agent Builder
Cowork unterstützt Plugins von Drittanbietern wie Harvey (Recht), Miro (Zusammenarbeit) und monday.com (Projektmanagement). Über den Agent Builder können Unternehmen zudem eigene Agenten erstellen, die innerhalb der Microsoft-365-Sicherheitsgrenzen laufen. Alle Unternehmensrichtlinien, Compliance-Vorgaben und Datenschutzregeln gelten laut Microsoft automatisch - ein klarer Differenzierungspunkt gegenüber lokalen Alternativen wie Scout.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Ausprobieren für M365-Copilot-Kunden: Wer bereits eine Copilot-Lizenz hat, kann Cowork ab sofort testen. Die Credit-basierte Abrechnung macht den Einstieg risikoarm - es fallen nur Kosten an, wenn man es tatsächlich nutzt.
2. Token-Kosten kalkulieren: Der Credit-Preis von 0,01 Dollar klingt gering, kann sich aber bei komplexen, mehrstufigen Aufgaben summieren. Unternehmen sollten die ersten Wochen nutzen, um ein Gefühl für den tatsächlichen Verbrauch zu bekommen.
3. Agent Builder evaluieren: Die Möglichkeit, eigene Agenten innerhalb der M365-Sicherheitsgrenzen zu bauen, ist für Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen besonders relevant. Ein konkreter Anwendungsfall lohnt sich als Pilotprojekt.


