Unsere Einordnung
Das ist die erste Folge von Die KI-Woche — dem neuen wöchentlichen Gesprächsformat von kiwoche.com. Markus Kirchmair spricht mit Thomas Seiger, der beim KI-Netzwerk Nordtirol (KINN) die Entwicklungen im Blick hat, über die wichtigsten KI-Ereignisse der jeweils vergangenen Woche.
Gleich zu Beginn geht es um etwas, das in dieser Woche viel diskutiert wurde: Anthropics neues Sicherheits-KI-Modell Mythos, das angeblich 10.000 Sicherheitslücken gefunden hat. Thomas und Markus stellen die entscheidende Frage, die bei den meisten Berichten fehlte: Ist die Verteidigung wirklich schneller als der Angriff? Oder helfen dieselben Modelle, die Lücken finden, gleichzeitig auch dabei, sie auszunutzen?
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Regulierungssituation in Europa. Der AI Act existiert auf dem Papier — aber in der Unternehmenspraxis führt er vor allem zu Rechtsunsicherheit. Das Digital-Omnibus-Paket der EU bringt zwar Erleichterungen für kleinere Unternehmen, doch das grundlegende Problem bleibt: Viele Betriebe warten lieber ab, statt zu investieren, weil niemand genau weiss, was erlaubt ist und was nicht. Die DSGVO gilt dabei als mahnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn Regulierung innovationsfeindlich wirkt.
Die Harvard-Studie zur Jobangst bringt Zahlen, die nachdenklich stimmen: 59 Prozent junger Amerikaner sehen KI als Bedrohung für ihre Karriere. Gleichzeitig sind bereits 14 Prozent weniger Einstiegsstellen auf dem Markt — und Praktikumsplätze werden zur Seltenheit. Ken Griffin, Chef des Hedgefonds Citadel, berichtete öffentlich, dass er deprimiert nach Hause geht, weil seine besten Analysten von KI überholt werden. Das ist kein abstrakter Zukunftsblick mehr.
Die zweite Hälfte des Gesprächs dreht sich um eine grundlegendere Frage: Was passiert mit Kreativität und Personal Branding in einer Welt, in der alle dieselben Werkzeuge haben? Wenn alle ein Game bauen können, wer kauft dann noch? Wenn alle einen Ghibli-artigen Film generieren können, was ist dann noch besonders? Thomas und Markus kommen zu einer interessanten These: Regionalität und echte Persönlichkeit werden wichtiger, nicht unwichtiger — weil sie das einzige sind, was sich nicht automatisieren lässt.
Am Ende steht Google I/O mit dem Omni-Modell, Higgsfield in Cannes, und eine ernste Debatte über autonome Waffensysteme und die Frage, ob wir AGI vielleicht schon haben — ohne es zu merken.
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