Bislang war PowerPoint fest in zwei Händen: Microsofts Copilot als eingebauter KI-Assistent und Anthropics Claude, das sich seit März 2026 als Add-in in die Office-Suite eingeklinkt hat. Jetzt drängt auch OpenAI in diese Arena. Seit dem 21. Mai 2026 gibt es ein offizielles ChatGPT-Add-in für PowerPoint - und es kommt mit einem Argument, das die beiden Platzhirsche nicht bieten: Es ist kostenlos.
Was ChatGPT in PowerPoint kann
Das Add-in erscheint als Seitenleiste, die man über "Start → Add-ins" aktiviert. Die Funktionen:
- Präsentationen aus einem Satz erstellen: Ein Prompt wie "Erstelle eine 12-Folien-Präsentation über unsere Q2-Ergebnisse" liefert eine vollständige Folienserie mit Struktur, Überschriften und Inhalten.
- Bestehende Folien überarbeiten: Text umschreiben, Folienhierarchie verbessern, neue Abschnitte einfügen - alles per natürlicher Sprache.
- Daten aus anderen Diensten einbinden: Das Add-in verbindet sich mit Gmail, Outlook und SharePoint und kann Inhalte aus E-Mails, Dokumenten und Tabellen direkt in Folien übersetzen.
- Präsentationen analysieren: ChatGPT prüft fertige Decks auf narrative Schwächen, schlägt Verbesserungen vor und prognostiziert, welche Fragen das Publikum stellen könnte.
Alle erzeugten Folien bleiben vollständig editierbar. Das Add-in funktioniert bereits im kostenlosen ChatGPT-Tarif - eine Kampfansage an Claude (ab Pro-Abo) und Copilot (18-30 Dollar/Monat).
Warum das bemerkenswert ist
PowerPoint ist ein Markt mit über einer Milliarde Nutzer. Dass Microsoft einem direkten Konkurrenzprodukt den Zugang über den eigenen Add-in-Store erlaubt, hat einen einfachen Grund: Microsoft verdient an Office-Lizenzen, egal welche KI darin läuft. Für OpenAI ist es ein Trojanisches Pferd - Millionen von Nutzern, die täglich PowerPoint öffnen, sehen jetzt die ChatGPT-Seitenleiste neben dem bereits bekannten Copilot-Button.
Anders als Claudes tiefe Microsoft-365-Integration, die auf Enterprise-Kunden mit Compliance-Anforderungen zielt, setzt OpenAI auf Reichweite. Die Gratis-Verfügbarkeit senkt die Hemmschwelle auf null: Installieren, testen, entscheiden. Kein Abo-Zwang, keine Admin-Freigabe nötig.
Drei KI-Assistenten, ein Arbeitsplatz
Damit können in derselben PowerPoint-Installation jetzt drei KI-Assistenten nebeneinander existieren:
- Copilot (Microsoft): Tief integriert, Zugriff auf Teams, SharePoint, Firmen-Tenant. Premium, 18-30 $/Monat.
- Claude (Anthropic): Template-bewusst, native Objekte, app-übergreifender Kontext. Ab Pro-Abo.
- ChatGPT (OpenAI): Flexibel, Gmail/Outlook-Anbindung, kreative Stärken. Kostenlos verfügbar.
Der Wettbewerb findet nicht mehr zwischen Apps statt, sondern innerhalb einer einzigen Anwendung. Die These, dass klassische Software zunehmend nur noch als Hülle dient, bekommt damit eine neue Bestätigung: PowerPoint wird zur Plattform, auf der sich KI-Anbieter um die Aufmerksamkeit der Nutzer streiten.
🎯 Was das für die Praxis bedeutet
1. Sofort testen: Das ChatGPT-Add-in ist kostenlos und in Sekunden installiert ("Start → Add-ins → ChatGPT suchen"). Der Aufwand für einen Vergleich mit dem bestehenden Setup ist minimal.
2. Copilot-Kosten überdenken: Wer Copilot primär für Präsentationen nutzt, hat jetzt eine kostenlose Alternative. Die Copilot-Lizenz lohnt sich weiterhin für den tiefen Zugriff auf Teams-Protokolle und Firmen-SharePoint.
3. Datenschutz prüfen: ChatGPT verbindet sich mit externen Diensten wie Gmail. Unternehmen sollten klären, welche Daten über OpenAIs Server laufen, bevor sie das Add-in im Firmenumfeld freigeben.
4. Stärken kombinieren: Power-User berichten, dass die beste Strategie in der Kombination liegt: Copilot für interne, datensensible Aufgaben - Claude für template-treue Firmenpräsentationen - ChatGPT für kreatives Brainstorming und Recherche.